Vladimir Jurowski & Kirill Gerstein
Jean-Féry Rebel
„Les éléments – symphonie nouvelle“
Thomas Adès
„In Seven Days“ für Klavier und Orchester
John Adams
„Harmonium“ für Chor und Orchester
Vladimir Jurowski
Dirigent
Vladimir Jurowski - Dirigent
Vladimir Jurowski ist seit 2017 Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des RundfunkSinfonieorchesters Berlin (RSB). 2023/2024 setzten seine Konzerte, Tourneen und Aufnahmen die Glanzpunkte der Jubiläumssaison „RSB100“. Sein aktueller Vertrag in Berlin läuft bis 2029. Parallel dazu ist er seit 2021 Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper in München.
Vladimir Jurowski, einer der gefragtesten Dirigenten unserer Zeit, der weltweit für seine innovativen musikalischen Interpretationen und ebenso für sein mutiges künstlerisches Engagement gefeiert wird, wurde 1972 in Moskau geboren und absolvierte den ersten Teil seines Musikstudiums am Music College des Moskauer Konservatoriums. 1990 siedelte er mit seiner Familie nach Deutschland über und setzte seine Studien an den Musikhochschulen in Dresden und Berlin fort. 1995 debütierte er beim irischen Wexford Festival mit Rimski-Korsakows „Mainacht“ und 1996 am Royal Opera House Covent Garden mit „Nabucco“. Anschließend war er Erster Kapellmeister der Komischen Oper Berlin (1997-2001).
Bis 2021 arbeitete Vladimir Jurowski fünfzehn Jahre lang als Chefdirigent des London Philharmonic Orchestra (LPO) und wurde inzwischen zu dessen „Conductor Emeritus“ ernannt. In Großbritannien leitete er von 2001 bis 2013 als Musikdirektor der Glyndebourne Festival Opera eine breite Palette von hochgelobten Produktionen. Seine enge Verbindung zum britische Musikleben wurde im Frühjahr 2024 von König Charles III. dadurch gewürdigt, dass er Vladimir Jurowski zum Honorary Knight Commander of the Most Excellent Order of the British Empire (KBE) ernannte. Im April 2024 kehrte Vladimir Jurowski als Gast nach London zurück, um mit dem LPO in der Royal Festival Hall den konzertanten Aufführungszyklus von Wagners „Ring“ mit der „Götterdämmerung“ zu vollenden.
Ebenfalls bis 2021 war er Künstlerischer Leiter des Staatlichen Akademischen Sinfonieorchesters „Jewgeni Swetlanow“ der Russischen Föderation und Principal Artist des Orchestra of the Age of Enlightenment in Großbritannien, außerdem Künstlerischer Leiter des Internationalen GeorgeEnescu-Festivals in Bukarest. Darüber hinaus arbeitet er seit vielen Jahren mit dem Ensemble unitedberlin zusammen. Die Auftritte in Russland hat Vladimir Jurowski seit Februar 2022 ausgesetzt. Ukrainische Werke sind und bleiben Bestandteil seines Repertoires ebenso wie die Werke russischer Komponisten.
Vladimir Jurowski hat Konzerte der bedeutendsten Orchester Europas und Nordamerikas geleitet, darunter die Berliner, Wiener und New Yorker Philharmoniker, das königliche Concertgebouworchester Amsterdam, das Cleveland und das Philadelphia Orchestra, die Sinfonieorchester Boston und Chicago, das Tonhalle-Orchester Zürich, die Sächsische Staatskapelle Dresden und das Gewandhausorchester Leipzig. Er gastiert regelmäßig bei den Musikfestivals in London, Berlin, Dresden, Luzern, Schleswig-Holstein und Grafenegg. Obwohl Vladimir Jurowski von Spitzenorchestern aus der ganzen Welt als Gastdirigent eingeladen wird, konzentriert er seine Aktivitäten inzwischen auf jenen geographischen Raum, den er unter ökologischem Aspekt mit vertretbarem Aufwand gut erreichen kann.
Die gemeinsamen CD-Aufnahmen von Vladimir Jurowski und dem RSB begannen 2015 mit Alfred Schnittkes Sinfonie Nr. 3. Es folgten Werke von Britten, Hindemith, Strauss, Mahler und erneut Schnittke. Vladimir Jurowski wurde vielfach für seine Leistungen ausgezeichnet, darunter mit zahlreichen internationalen Schallplattenpreisen. 2016 erhielt er aus den Händen des heutigen Königs Charles III. die Ehrendoktorwürde der Royal Philharmonic Society. 2020 wurde Vladimir Jurowskis Tätigkeit als Künstlerischer Leiter des George-Enescu-Festivals vom Rumänischen Präsidenten mit dem Kulturverdienstorden gewürdigt.
Kirill Gerstein
Klavier
Kirill Gerstein - Klavier
Kirill Gersteins Faszination für musikalische Entdeckungen, kombiniert mit seiner Neugier, Fantasie und Virtuosität, hat ihn zu einem der überzeugendsten Interpreten unserer Zeit gemacht. Als vielseitiger Künstler – Pianist, Kurator, Pädagoge, musikalischer Leiter und künstlerischer Partner – ist er stets auf der Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten. Sein Repertoire reicht von barocken Suiten und klassischen Konzerten bis hin zu zeitgenössischer Musik, Jazz und Kabarett. Durch diese Vielfalt hat er enge Verbindungen mit vielen der weltweit führenden Orchester, Dirigent:innen, Instrumentalist:innen, Sänger:innen, Komponist:innen, Festivals, Plattenfirmen und Medienplattformen aufgebaut.
Zu den Höhepunkten der vergangenen Saison zählen Gersteins Debüt als Solist in der Carnegie Hall/Stern Auditorium; Aufführungen von Ferruccio Busonis Klavierkonzert anlässlich seines hundertsten Todestages mit den Berliner Philharmonikern, dem Orchestre National de France, dem BBC Symphony Orchestra und dem Gulbenkian Orchestra in Lissabon; Gershwin mit der Staatskapelle Dresden in der traditionellen Silvestergala des ZDF; das Abschlusskonzert des Musikfest Berlin mit Messiaens „From the Canyons to the Stars“ unter Sir Simon Rattle; das Berg-Kammerkonzert mit Ilya Gringolts, Heinz Holliger und dem Chamber Orchestra of Europe; Rachmaninows 3. Klavierkonzert mit Santtu-Matias Rouvali und dem Royal Concertgebouw Orchestra; die Rückkehr nach Japan und Korea mit Brahms‘ 2. Klavierkonzert; Engagements mit den Orchestern von St. Louis, San Francisco, Pittsburgh und Atlanta; die Veröffentlichung von Chick Coreas „The Visitors“ mit dem legendären Vibraphonisten Gary Burton auf dem Label ECM; ein ergreifendes, zeitgemäßes Programm mit den Wiener Symphonikern, das Schönbergs Ode an Napoleon mit Beethovens 5. Klavierkonzert und einer satirischen Zugabe von Hanns Eisler verbindet; und ein interdisziplinäres Projekt mit dem Klavier-Festival Ruhr, das Schulkinder, renommierte Choreografen, Wissenschaftler und Experten rund um die Musik des armenischen Priesters, Musikwissenschaftlers und Komponisten Vardapet Komitas zusammenbrachte.
Medienprojekte, Radioaufnahmen und digitale Innovationen sind ein wesentlicher Bestandteil von Kirill Gersteins kreativer Arbeit. Er hat Alben für Platoon/Apple Music, myrios, Deutsche Grammophon, DECCA und Berliner Philharmoniker Recordings aufgenommen. Seine Aufführungen wurden von Unitel, Accentus Music und EuroArts gefilmt sowie auf ORF, BBC, ARTE und Marquee TV, und auf medici.tv und STAGE+ live gestreamt. Für das zuletzt erschienene Album mit dem Titel „Music in Time of War“, welches späte Klavierwerke von Claude Debussy mit Kompositionen von Vardapet Komitas kombiniert, erhielt Gerstein den Sonderpreis von Opus Klassik für die kuratorische Leistung. Diese Aufnahme erweitert das traditionelle Albumkonzept, indem sie in ein Hardcover-Buch integriert ist, welches eine Fülle von Dokumenten, Bildern enthält.
Die weltweit erste Aufnahme von Thomas Adès’ Concerto for Piano and Orchestra mit dem Boston Symphony Orchestra unter der Leitung des Komponisten wurde für drei Grammys nominiert und mit dem Gramophone Award 2020 ausgezeichnet. Seine Aufnahme von Adès’ The Tempes Suite mit Christian Tetzlaff erschien 2025 bei Platoon. Zu den weiteren bemerkenswerten Veröffentlichungen Gersteins zählen Strauss’ Enoch Arden mit dem Schauspieler Bruno Ganz (Der Himmel über Berlin, Der Untergang); Tschaikowskys komplette Klavierkonzerte (einschließlich des 1. Konzerts in der originalen Urtextfassung des Komponisten) mit Semyon Bychkov und der Tschechischen Philharmonie; The Gershwin Moment mit dem St. Louis Symphony Orchestra und David Robertson einschließlich Gersteins Kollaboration mit der amerikanischen Singer-Songwriterin Storm Large und Gary Burton; sowie die Mozart-Klaviersonaten zu vier Händen mit Ferenc Rados.
Als wahrer Verfechter der zeitgenössischen Musik hat Kirill Gerstein unter anderem neue Werke von Timo Andres, Chick Corea, Alexander Goehr, Oliver Knussen und Brad Mehldau in Auftrag gegeben und uraufgeführt. Seit der Weltpremiere von Thomas Adès’ Concerto for Piano and Orchestra im Jahr 2019 hat er das Werk über sechzig Mal mit zwanzig verschiedenen Orchestern auf drei Kontinenten aufgeführt. Kürzlich nahm er auch Thomas Larchers Klavierkonzert mit dem Bergen Philharmonic Orchestra und Ed Gardner für ECM auf. Nach der Uraufführung von Francisco Colls Two Waltzes Toward Civilization in der Carnegie Hall folgt in der Saison 2025/26 die Präsentation seines neuen Klavierkonzertes mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und Sir Simon Rattle.
Kirill Gerstein widmet sich mit großer Hingabe dem Lehren und Lernen, das über das reine Klavierfach hinausgeht: er ist derzeit Professor für Klavier an der Hanns Eisler Hochschule in Berlin und auch an der Fakultät der Kronberg Academy.
An der Kronberg Academy hat seine Reihe von kostenlosen Webinaren, in denen er Gespräche mit großen Künstler:innen des 21. Jahrhunderts führt, bislang ein Publikum von über 150.000 Zuschauer:innen erreicht. Zu seinen Gästen gehörten Ai Weiwei, Brad Mehldau, Thomas Adès, Iván Fischer, Alex Ross, Matthew Aucoin, Kirill Serebrennikov, Elizabeth Wilson, Simon & Gerard McBurney, Robert Levin, Reinhard Goebel, Simon Callow, Emma Smith, Deborah Borda, Sir Antonio Pappano und Kaija Saariaho. Kirill Gerstein gibt auch regelmäßig Meisterkurse beim Verbier Festival und bei IMS Prussia Cove.
Kirill Gerstein wurde 1979 in Voronezh, Russland, geboren und besuchte eine der speziellen Musikschulen des Landes für begabte Kinder. Er brachte sich selbst das Jazzspielen bei, indem er zu Hause die Plattensammlung seiner Eltern hörte. Nach einer zufälligen Begegnung mit Gary Burton in St. Petersburg wurde er im Alter von 14 Jahren als jüngster Student an das Berklee College of Music in Boston eingeladen. Mit 16 Jahren schloss er sein Bachelor- und Masterstudium an der Manhattan School of Music in New York ab und setzte sein Studium bei Dmitri Bashkirov in Madrid und Ferenc Rados in Budapest fort. Als Gewinner des ersten Preises beim 10. Arthur Rubinstein Wettbewerb erhielt Kirill Gerstein 2010 den prestigeträchtigen Gilmore Artist Award sowie ein Avery Fisher Career Grant.
2021 wurde ihm der Ehrendoktortitel der Manhattan School of Music verliehen.
Rundfunkchor Berlin
Rundfunkchor Berlin
Mit rund 60 Konzerten jährlich, CD-Einspielungen und internationalen Gastspielen zählt der Rundfunkchor Berlin zu den herausragenden Chören der Welt. Allein drei Grammy Awards stehen für die Qualität seiner Aufnahmen. Sein breit gefächertes Repertoire, ein flexibles, reich nuanciertes Klangbild, makellose Präzision und packende Ansprache machen den Profichor zum Partner bedeutender Orchester und Dirigenten, darunter Kirill Petrenko, Daniel Barenboim, Simon Rattle oder Yannick Nézet-Séguin. In Berlin besteht eine intensive Zusammenarbeit mit den Berliner Philharmonikern sowie mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin und dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin und ihren Chefdirigenten.
Internationales Aufsehen erregt der Rundfunkchor Berlin auch mit seinen interdisziplinären Projekten, die das klassische Konzertformat aufbrechen und Chormusik neu erlebbar machen. Zum Meilenstein wurde die szenische Umsetzung des Brahms-Requiems als »human requiem« durch Jochen Sandig und ein Team von Sasha Waltz & Guests. Nach Gastspielen u.a. in New York, Hongkong, Paris und Adelaide reist die Produktion im Sommer 2019 erstmals nach Istanbul. Für das Projekt »LUTHER dancing with the gods« reflektierte der Chor im Herbst 2017 in einer genresprengenden Konzertperformance mit Robert Wilson und Musik von Bach, Nystedt und Reich Luthers Wirkung auf die Künste und in den Künsten. Für »TIME TRAVELLERS« wird der Chor in der Spielzeit 2019/20 das Berliner Radialsystem in einen begehbaren Zeittunnel verwandeln. Auf Grundlage von Jonathan Doves Komposition »The Passing of the Year« entsteht mit Filmen, Bildern, Performance und Musik ein interaktives Chorerlebnis.
Mit seinen Community-Projekten für unterschiedliche Zielgruppen – das große Mitsingkonzert in der Berliner Philharmonie, das Fest der Chorkulturen für Chöre aus aller Welt und die Liederbörse für Berliner Schülerinnen und Schüler – möchte der Rundfunkchor Berlin möglichst viele Menschen zum Singen bringen. Sein breit angelegtes Bildungsprogramm SING! zielt auf die nachhaltige Vernetzung verschiedener Partner, um das Singen als selbstverständlichen Teil des Berliner Grundschulalltags zu fördern. Mit der Akademie und Schola sowie der Internationalen Meisterklasse Berlin setzt sich das Ensemble für den professionellen Sänger- und Dirigentennachwuchs ein.
1925 gegründet, feierte der Rundfunkchor Berlin 2015 sein 90-jähriges Bestehen. Der Chor wurde von Dirigenten wie Helmut Koch, Dietrich Knothe (1982-93), Robin Gritton (1994-2001) und Simon Halsey (2001-2015) geprägt. Seit der Saison 2015/16 steht der Niederländer Gijs Leenaars als Chefdirigent und Künstlerischer Leiter an der Spitze des Ensembles. Simon Halsey bleibt dem Chor als Ehrendirigent und Gastdirigent verbunden. Der Rundfunkchor Berlin ist ein Ensemble der Rundfunk Orchester und Chöre GmbH Berlin in der Trägerschaft von Deutschlandradio, der Bundesrepublik Deutschland, dem Land Berlin und dem Rundfunk Berlin-Brandenburg.
Julia Selina Blank
Choreinstudierung
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Es werde Klang
In sieben Tagen hat Gott die Welt erschaffen. Zuerst hat er die Elemente durcheinandergewirbelt, wir hören es schockartig in der „Schöpfungsgeschichte“ des frechen Franzosen Jean-Féry Rebel – anno 1737.
Der 1971 geborene Engländer Thomas Adès, dem RSB-Publikum längst ein guter Bekannter, reist 2008 binnen 30 Minuten einmal durch die ganze „Weltwerdung“. Das damit gemeinte, „siebentägige“ Klavierkonzert spart nicht mit verschmitzten und ironischen musikalischen Kommentaren auf das hehre Walten Gottes. Ein gutes Vierteljahrhundert früher hat John Adams – auch er inzwischen hierzulande ein sehr geschätzter Komponist der Gegenwart – aus einem Einzelton ein pulsierendes Klanggewebe für großen Chor und Orchester gesponnen. Auf Gedichte von John Donne und Emily Dickinson lädt Adams in „Harmonium“ den amerikanischen Minimalismus mit spätromantischen Klängen auf.
Konzerteinführung: 19.10 Uhr, Südfoyer, Steffen Georgi