Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin

Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin © Simon Pauly
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin © Simon Pauly

Heute

Weil die Pflege von Traditionen – laut Gustav Mahler – nicht Anbetung der Asche, sondern in erster Linie Weitertragen des Feuers bedeute, sei mit dem Hier und Jetzt begonnen.Das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (RSB) spielt aktuell in der ersten Reihe der deutschen Rundfunkorchester und der Berliner Spitzenorchester mit. Wesentlichen Anteil daran haben die Präsenz und die Kompetenz der Persönlichkeiten an der Spitze: Seit 2017 ist Vladimir Jurowski Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des RSB. An seiner Seite agiert seit 2019 Karina Canellakis als Erste Gastdirigentin. Im Juni 2021 hat Vladimir Jurowski seinen Vertrag bis 2027 verlängert.

Vadimir Jurowski © Simon Pauly
Vladimir Jurowski © Simon Pauly

Blick voraus

Das Orchester ist heute moderner, jünger und – weiblicher denn je. Zahlreiche Aktivitäten im virtuellen Raum und in den sozialen Medien gehen einher mit frischen Musikvermittlungsaktivitäten, leidenschaftlichem pädagogischem Engagement (u.a. beim Patenorchester Deutsche Streicherphilharmonie), umfassendem Einsatz für den künstlerischen Nachwuchs auf dem Podium und in den eigenen Reihen (Orchesterakademie) sowie beim Publikum im Saal und hinter den Kulissen. Zu den schönsten Aufgaben des Orchesters gehören Familien-, Schul- und Kinderkonzerte. Die Arbeit mit und für die jungen Musiker*innen und Konzerthörer*innen nimmt mittlerweile ein Drittel der öffentlich wahrnehmbaren Aktivitäten des RSB ein, wobei ein großer Teil darüber hinaus hinter den Kulissen  und im nichtöffentlichen Raum geleistet wird. Der Verein der Freunde und Förderer des RSB e.V. engagiert sich besonders für dieses nachhaltige, in die Zukunft wirkende Tätigkeitsfeld des RSB. Das RSB ist die erste Adresse für viele hervorragende junge Dirigent*innen der internationalen Musikszene: Andris

Nelsons, Yannick Nézet-Séguin, Vasily Petrenko, Jakub Hrůša, Alain Altinoglu, Omer Meir Wellber, Lahav Shani oder Nicholas Carter. Viele von ihnen haben ihr jeweiliges Berlin-Debüt mit dem RSB absolviert und dirigieren es inzwischen regelmäßig.

RSB © Robert Niemeyer
RSB © Robert Niemeyer

Innehalten

Das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin geht zurück auf die erste musikalische Funkstunde des deutschen Rundfunks im Oktober 1923. Die früheren Chefdirigenten, u.a. Sergiu Celibidache, Eugen Jochum, Hermann Abendroth, Rolf Kleinert und Heinz Rögner formten einen Klangkörper, der in besonderer Weise die Wechselfälle der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert durchlebt hat. Nach Heinz Rögner hob Rafael Frühbeck de Burgos als Chefdirigent das Klangvolumen und die Präzision des Zusammenspiels des RSB auf ein vorbildliches Niveau. Vor Vladimir Jurowski baute Marek Janowski von 2001 bis 2016 eine hohe Spielkultur des Orchesters für das deutsche romantische und spätromantische Repertoire auf, setzte einen international viel beachteten Schwerpunkt mit dem zehnteiligen konzertanten Wagnerzyklus (erschienen bei PENTATONE, 2010 bis 2013) und hinterließ eine Gesamtaufnahme der Sinfonien von Hans Werner Henze (WERGO, 2014). Seit 1923 traten bedeutende Komponisten des 20. und inzwischen auch des 21. Jahrhunderts ans Pult des RSB oder führten als Solisten eigene Werke auf: Paul Hindemith, Arthur Honegger, Darius Milhaud, Sergei Prokofjew, Richard Strauss, Arnold Schönberg, Igor Strawinsky, Wladimir Vogel, Kurt Weill und Alexander Zemlinsky ebenso wie in jüngerer Zeit Krzysztof Penderecki, Peter Maxwell Davies, Friedrich Goldmann, Berthold Goldschmidt, Siegfried Matthus, Matthias Pintscher, Peter Ruzicka, Heinz Holliger, Daniel Schnyder, Jörg Widmann und Thomas Ades. Brett Dean und Marko Nikodijević waren zuletzt als Composer- in-residence beim RSB präsent. 2021/2022 folgt ihnen die russische Komponistin Jelena Firssowa.

RSB © Robert Niemeyer
RSB © Robert Niemeyer

Aufarbeitung

Im Vorfeld der Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin finden 2021 und 2022 umfangreiche Forschungsarbeiten zur Geschichte genau dieses Klangkörpers statt, der in den verschiedenen, sowohl künstlerisch prägenden als auch politisch motivierten Experimentierphasen des gleichaltrigen Mediums Rundfunk eine zentrale Rolle gespielt hat. In enger Zusammenarbeit mit dem Deutschen Rundfunkarchiv, dem Bundesarchiv sowie den Archiven des Rundfunks Berlin-Brandenburg und des Deutschlandradios vertiefen sich gegenwärtig die Masterstudent*innen des Studienganges Musikwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin und der Hochschule für Musik und Theater Rostock in das umfangreiche Schriftgut, das wertvolle Bildmaterial und die großenteils unveröffentlichten Tonaufzeichnungen des deutschen Rundfunks und seines ersten Orchesters. Das Projekt wird federführend betreut von Prof. Dr. Friederike Wißmann, Prof. Dr. Sebastian Klotz und Prof. Dr. Arne Stollberg und soll 2023 in diverse Veröffentlichungen münden: Orchestergeschichte zum Hören, Sehen, Anfassen und Lesen.

Ausstrahlung

Das Deutschlandradio mit seinen Sendern Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Kultur ist mit 40% Geschäftsanteilen der größte Gesellschafter der 1994 gegründeten Rundfunk-Orchester und -Chöre gGmbH Berlin (ROC), welche das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (RSB) und drei weitere hauptstädtische Klangkörper institutionell trägt. Außerdem stützt sich die ROC Berlin auf starke Partner: die Bundesrepublik Deutschland (35%), das Land Berlin (20%) und den Rundfunk Berlin-Brandenburg (5%). Dank der engen Verbindung mit Deutschlandfunk Kultur in Berlin, mit dem Deutschlandfunk in Köln und mit dem Rundfunk Berlin-Brandenburg werden alle Sinfoniekonzerte und diverse weitere Konzerte des RSB im Rundfunk übertragen. Viele sind über die angeschlossenen Sender der European Broadcasting Union (Euroradio) weltweit zu empfangen. Die Zusammenarbeit mit Deutschlandradio trägt weiterhin reiche Früchte auf CD. Aber auch live ist das RSB national und international präsent. Seit mehr als 50 Jahren gastiert es regelmäßig bei deutschen und europäischen Festivals, in Fernost und in Musikzentren weltweit.

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