Vladimir Jurowski
Chefdirigent & Künstlerischer Leiter

Vladimir Jurowski © Simon Pauly
Vladimir Jurowski © Simon Pauly

Mutige Zäsuren

Vladimir Jurowski ist in der aktuellen Musikwelt ein begehrter Mann. Sein Gehen und Kommen wird allerorts aufmerksam verfolgt. Im Sommer 2021 vollzieht der Dirigent einige wichtige Paradigmenwechsel, verlässt langjährige Positionen, erschließt und eröffnet sich neue große Tätigkeitsfelder. Im Blick hat der vielgefragte Musiker in seinem 50. Lebensjahr dabei nicht nur die künstlerische Karriere, sondern mindestens ebenso seinen ökologischen Fußabdruck und eine zeitgemäße Entschleunigung und Fokussierung auf die brennenden Fragen unserer Epoche. Kein Mensch, auch kein Musiker, kann gleichgültig gegenüber der Klimakrise sein, kann das verantwortungslose und zerstörerische Aufbrauchen von Naturressourcen durch den Menschen teilnahmslos hinnehmen, findet Vladimir Jurowski – und handelt danach, indem er sein musikalisches Wirken noch stärker auf die uns alle betreffenden Themen ausrichtet.

Abschied und Willkommen

Im Sommer 2021 endet Vladimir Jurowskis langjährige Tätigkeit als Principal Conductor des London Philharmonic Orchestra, wo er seit 2003 unter Vertrag gestanden und in vielerlei Hinsicht Maßstabsetzendes geleistet hat. Ebenfalls bis Sommer 2021 ist er Künstlerischer Leiter des Staatlichen Akademischen Sinfonieorchesters „Jewgeni Swetlanow“ der Russischen Föderation. Zum letzten Mal wird er 2021 als Künstlerischer Leiter des Internationalen George-Enescu-Festivals in Bukarest zur Verfügung stehen.
Und auch die Position als Principal Artist des Orchestra of the Age of Enlightenment in Großbritannien gibt er im Sommer 2021 auf. An die Stelle der Verpflichtungen in Großbritannien und in Russland treten hauptsächlich Aufgaben in Deutschland. Beim Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (RSB) ist Vladimir Jurowski seit 2017 Chefdirigent und Künstlerischer Leiter. Darüber hinaus startet im Sommer 2021 offiziell seine Tätigkeit auf der Position des Generalmusikdirektors der Bayerischen Staatsoper in München. Aber auch in Berlin kann weiterhin Großes geschehen. Denn im Juni 2021 hat Vladimir Jurowski seinen bestehenden Vertrag mit dem RSB über 2023 hinaus um weitere vier Jahre bis 2027 verlängert.

Alle Konzerte mit Vladimir Jurowski
auf einen Blick

Chefdirigenten-Konzerte

Wurzeln und Wachsen

Der 1972 in Moskau geborene Dirigent, Pianist und Musikwissenschaftler zeichnet sich durch eine schier unbegrenzte stilistische Vielfalt, eine unermüdliche repertoireerschließende Neugier und eine beispiellose Vladimir Jurowski dirigiertechnische Umsetzungsfähigkeit all seiner Neu- und Wiederentdeckungen aus. Vladimir Jurowski ist gleichermaßen ein versierter Anwalt der allerneuesten Werke der zeitgenössischen Musik wie der historisch informierten Aufführungspraxis des Barock- und des Klassikzeitalters. Und natürlich ist er zu Hause im sinfonischen Kernrepertoire des 19. und 20. Jahrhunderts von Beethoven und Brahms, von Tschaikowsky und Dvořák, von Berg und Schostakowitsch. Dem Dirigenten liegt eine tief in die gesellschaftliche Relevanz von öffentlichen Konzerten hineinwirkende Programmpolitik am Herzen. Dabei wendet er dem Publikum emotional gerade nicht den Rücken zu, sondern wirbt mit all seinem Tun darum, Hörbarrieren abzubauen und Ängste – etwa vor zeitgenössischer Musik – aufzulösen.

„An uns Musiknachschaffenden liegt es, das Publikum zu binden, Vertrauen aufzubauen und es an die Hand zu nehmen.“

Ein Mittel zum Zweck besteht für ihn darin, „den Mythos zu ignorieren und direkt zur Partitur zu gehen.“

Ausgebildet zunächst an der Musikhochschule des Konservatoriums in Moskau, setzte Vladimir Jurowski ab 1990 sein Studium an den Musikhochschulen in Dresden und Berlin fort – Dirigieren bei Rolf Reuter; Korrepetition und Liedbegleitung bei Semion Skigin. 1995 debütierte er auf internationaler Ebene beim britischen Wexford Festival mit Rimski-Korsakows „Mainacht“ und im selben Jahr am Royal Opera House Covent Garden mit „Nabucco“. Anschließend war er u.a. Erster Kapellmeister der Komischen Oper Berlin (1997– 2001) und Musikdirektor der Glyndebourne Festival Opera (2001–2013). Darüber hinaus arbeitet er regelmäßig mit dem Chamber Orchestra of Europe und dem ensemble unitedberlin. Vladimir Jurowski hat Konzerte der bedeutenden Orchester Europas und Nordamerikas geleitet, darunter die Berliner, Wiener und New Yorker Philharmoniker, das Königliche Concertgebouworchester Amsterdam, das Cleveland und das Philadelphia Orchestra, die Sinfonieorchester von Boston und Chicago, das Tonhalle-Orchester Zürich, die Sächsische Staatskapelle Dresden und das Gewandhausorchester Leipzig. Mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (RSB) konzertierte
er im Frühjahr 2019 in Japan, im Herbst 2019 und 2021 beim George-Enescu-Festival in Bukarest. Das London Philharmonic Orchestra (LPO) dirigierte er bei Festivals wie den BBC Proms, dem George-Enescu-Festival in Bukarest, dem Musikfest Berlin, dem Schleswig-Holstein Musik Festival und dem Rostropowitsch-Festival Moskau. Außerdem leitete Vladimir Jurowski konzertante Opernaufführungen wie Enescus „Oedipe“ (in London und Bukarest) und Wagners „Ring des Nibelungen“ in London. Zu den Höhepunkten mit dem LPO zählten Beethovens „Fidelio“, Mahlers Sinfonie Nr. 8 sowie Pendereckis Lukaspassion und Bachs Weihnachtsoratorium. Mit dem Staatlichen Akademischen Sinfonieorchester „Jewgeni Swetlanow“ hat er in Russland ein markantes individuelles Profil entwickelt, das einen starken Fokus auf das zeitgenössische Repertoire richtet und Shakespeare-Bezüge in Musik, Theater und Film der früheren Sowjetunion erforscht.

Kloster Chorin Vladimir Jurowski und RSB © RSB
Vladimir Jurowski und RSB im Kloster Chorin © RSB

Opern und Medien

Vladimir Jurowski geht seit 1996 an den großen internationalen Opernhäusern ein und aus. Mit „Rigoletto“ debütierte er an der Metropolitan Opera New York und war seitdem u.a. mit „Jenůfa“, „Pique Dame“, „Hänsel und Gretel“ und „Die Frau ohne Schatten“ erneut dort zu erleben. Er dirigierte „Parsifal“ und „Wozzeck“, „Eugen Onegin“ und „Ruslan und Ljudmila“, Wustins „Der verliebte Teufel“ und „The Bassarids“ von Henze u.a. in Mailand, Paris, Moskau, Dresden, Berlin, Salzburg und Zürich. Beim Opernfestival in Glyndebourne leitete er zahlreiche Werke von Mozart, Verdi, Wagner, Strauss, Janáček, Eötvös und Brett Dean. 2015 gab er sein Debüt an der Bayerischen Staatsoper mit Prokofjews „Der feurige Engel“. Die erste gemeinsame CD von Vladimir Jurowski und dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin aus dem Jahre 2015,
Alfred Schnittkes gewaltige Sinfonie Nr. 3, wurde sogleich zu einem Meilenstein. Die Aufnahme mit Mahlers „Lied von der Erde“ (2020, PENTATONE) wurde 2021 für mehrere
Schallplattenpreise nominiert. Im Sommer 2021 erscheint als neue RSB-Aufnahme „Eine Alpensinfonie“ von Richard Strauss. Für das Label PENTATONE legte Vladimir Jurowski außerdem eine Reihe von russischen Werken mit dem Russischen Nationalorchester vor. Das CD-Spektrum mit dem London Philharmonic Orchestra umfasst alle Sinfonien von Brahms und Tschaikowsky, Mahlers Erste, Zweite und Vierte, Werke von Beethoven, Turnage, Holst, Britten, Vaughan Williams, Schostakowitsch, Zemlinsky, Honegger, Haydn und Rachmaninow. Die Zeit Jurowskis als Musikdirektor der Glyndebourne Opera wurde mit zahlreichen CDs und DVD-Veröffentlichungen dokumentiert.

Ehrungen und Preise

Vladimir Jurowski wurde vielfach für seine Leistungen ausgezeichnet, darunter mit zahlreichen internationalen Schallplattenpreisen. 2018 kürte ihn die Jury der Royal Philharmonic Society Music Awards zum Dirigenten des Jahres. 2016 erhielt er aus den Händen von Prince Charles die Ehrendoktorwürde des Royal College of Music
in London. Im Sommer 2020 wurde Vladimir Jurowski in Anerkennung seiner Tätigkeit als Künstlerischer Leiter des George-Enescu-Festivals vom Rumänischen Präsidenten mit dem Kulturverdienstorden ausgezeichnet.

Chefdirigenten Konzerte

Alle
Sa 21. August 2021 - 19 Uhr | Schloss Bothmer Saisonauftakt des RSB: Festspiele Mecklenburg-Vorpommern Vladimir Jurowski zum Konzert
Schlosspark-Bothmer © Timm Allrich
Mi 1. September 2021 - 19.30 Uhr | Sala Palatului Bukarest RSB on Tour: George-Enescu-Festival Vladimir Jurowski zum Konzert
Sala Palatului Bukarest © Andrada Pavel
Di 31. August 2021 - 19.30 Uhr | Sala Palatului Bukarest RSB on Tour: Bukarest Vladimir Jurowski & Yeon-Min Park zum Konzert
Sala Palatului Bukarest © Andrada Pavel
Sa 4. September 2021 - 19 Uhr | Philharmonie Berlin Sinfonischer Auftakt: Es sungen drei Engel Vladimir Jurowski, Tamara Stefanovich & Georg Nigl zum Konzert
So 21. November 2021 - 20 Uhr | Philharmonie Berlin Spirale des Lebens Vladimir Jurowski & Daniel Hope zum Konzert
Daniel Hope © Nicolas Zonvi
Fr 26. November 2021 - 20 Uhr | Philharmonie Berlin Faust aufs Herz Vladimir Jurowski & Stuart Skelton zum Konzert
Do 23. Dezember 2021 - 19 Uhr | Philharmonie Berlin Märchenhafte Klangpracht Vladimir Jurowski zum Konzert
Sa 15. Januar 2022 - 20 Uhr & So 16. Januar 2022 - 20 Uhr | Konzerthaus Berlin & Philharmonie Berlin Ein Traum-Konzert Vladimir Jurowski & Seong-Jin Cho zum Konzert
Seong Cho © Christoph Köstlin
Sa 26. Februar 2022 - 20 Uhr & So 27. Februar 2022 - 16 Uhr | Konzerthaus Berlin & Philharmonie Berlin Russische Riesen Vladimir Jurowski & Alban Gerhardt zum Konzert
Alban Gerhardt © Kaupo Kikkas
So 27. März 2022 - 20 Uhr | Konzerthaus Berlin Tanz auf dem Vulkan Vladimir Jurowski & Julia Fischer zum Konzert
Julia Fischer © Uwe Arens
Fr 22. April 2022 - 19.30 Uhr | Haus des Rundfunks Mensch, Musik! #3 Hotspot Erde Vladimir Jurowski zum Konzert
Cello_21-22_2560x2560_c_RSB
Sa 30. April 2022 - 20 Uhr & So 1. Mai 2022 - 20 Uhr | Konzerthaus Berlin & Philharmonie Berlin Heiliger Zorn Vladimir Jurowski & Nils Mönkemeyer zum Konzert
Nils Mönkemeyer © Irène Zandel
Di 30. November 2021 - 20 Uhr | Barcelona RSB on Tour: Barcelona Vladimir Jurowski & Leonidas Kavakos zum Konzert
Palau de la Musica Catalana, Barcelona
Mi 1. Dezember 2021 - 20 Uhr | Madrid RSB on Tour: Madrid Vladimir Jurowski & Leonidas Kavakos zum Konzert
Auditorio Nacional de Música © David Ruano
Do 2. Dezember 2021 - 20 Uhr | Alicante RSB on Tour: Alicante Vladimir Jurowski & Leonidas Kavakos zum Konzert
Fr 3. Dezember 2021 - 20 Uhr | Santander RSB on Tour: Santander Vladimir Jurowski & Leonidas Kavakos zum Konzert
Do 10. Februar 2022 - 20 Uhr, Fr 11. Februar 2022 - 20 Uhr, Sa 12. Februar 2022 - 20 Uhr, So 13. Februar 2022 - 20 Uhr, Di 15. Februar 2022 - 20 Uhr, Mi 16. Februar 2022 - 20 Uhr, Fr 18. Februar 2022 - 20 Uhr, So 20. Februar 2022 - 20 Uhr & Mo 21. Februar 2022 - 20 Uhr | Asientournee & Hongkong RSB on Tour: Asien Vladimir Jurowski zum Konzert
Mo 28. März 2022 - 20 Uhr | Innsbruck RSB on Tour: Innsbruck Vladimir Jurowski & Julia Fischer zum Konzert
Congress Innsbruck © CMI
Di 29. März 2022 - 19.30 Uhr | Bregenz RSB on Tour: Bregenz Vladimir Jurowski & Julia Fischer zum Konzert
Festspielhaus-Bregenz © Anja Köhler
Do 31. März 2022 - 20 Uhr | Wien RSB on Tour: Wien Vladimir Jurowski & Julia Fischer zum Konzert
Konzerthaus-Wien© Rupert-Steiner
Fr 1. April 2022 - 20 Uhr | Budapest RSB on Tour: Budapest Vladimir Jurowski & Julia Fischer zum Konzert
Müpa-Budapest © Müpa-Budapest -János-Posztós