Vladimir Jurowski
Chefdirigent & Künstlerischer Leiter

Vladimir Jurowski ist seit 2017 Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin (RSB).
Von Beginn an liegt ihm eine tief in die gesellschaftliche Relevanz von öffentlichen Konzerten hineingreifende Programmpolitik am Herzen. Dabei ist sich Vladimir Jurowski klar darüber, dass eine solche Verantwortung im Umgang mit Musik Interpreten wie Publikum ein Stück weit aus der traditionellen Komfortzone und „der bürgerlichen Art, die Kunst zu ‚genießen‘“ (Jurowski) herausführen kann: „Wichtig ist, dass sie wachrüttelt. Dieses Risiko muss man in Kauf nehmen, wenn man überhaupt etwas bewirken will“, bekennt er 2018 im Interview für das Onlinemagazin „VAN“ gegenüber Albrecht Selge.

Vladimir Jurowski fotografiert von Simon Pauly
Vladimir Jurowski © Simon Pauly

Begonnen 2017/2018 mit Beethoven-Sinfonien in Fassungen von Gustav Mahler, kombiniert mit Musik der Zweiten Wiener Schule, fortgesetzt 2018/2019 mit Werken von Brett Dean und Gustav Mahler im Kontext einer RSB-Saison unter dem Motto „Der Mensch und sein Lebensraum“, stellt Vladimir Jurowski 2019/2020 in Berlin Kompositionen zur Diskussion, welche die inneren Werte des Menschen beleuchten, ihm Fremdes vertraut werden lassen und ihm helfen, Gewohntes kritisch zu hinterfragen.

Der Dirigent, Pianist und Musikwissenschaftler Jurowski kennt keine musikgeschichtlichen, stilistischen oder dirigiertechnischen Grenzen. Nichts liegt ihm als persönliches Ziel ferner als jener imaginäre Punkt, an dem ein Mensch sagen könnte: Ich habe ausgelernt. „Vielleicht ist Jurowski sogar der ideale Student unter den Dirigenten: nicht weil er bummelt, sondern weil er bohrt“ (Albrecht Selge). Er ist gleichermaßen ein versierter Anwalt der allerneuesten Werke der zeitgenössischen Musik wie der historisch informierten Aufführungspraxis des Barock- und des Klassikzeitalters. Die Musik der Umbruchphase des Fin de Siècle etwa von Strauss und Mahler gehört ebenso zu seinen Spezialitäten wie die Meisterwerke der Musik des 20. Jahrhunderts, z. B. von Strawinsky, Schostakowitsch oder Prokofjew. Und natürlich ist er zu Hause im sinfonischen Kernrepertoire des 19. Jahrhunderts von Beethoven und Brahms, von Tschaikowsky und Dvořák.

„Egal, ob er sich ans Publikum oder an seine Musikerinnen und Musiker wendet, ob er Stimme oder Taktstock dabei einsetzt – der Chefdirigent des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin hat Wesentliches zu sagen.“
(Der Tagesspiegel, 2019)

Ausbildung und Engagements

Ausgebildet zunächst an der Musikhochschule des Konservatoriums in Moskau, in jener Stadt, wo er 1972 geboren worden war, kam Vladimir Jurowski 1990 mit seiner Familie nach Deutschland. Hier setzte er sein Studium an den Musikhochschulen in Dresden und Berlin fort – Dirigieren bei Rolf Reuter; Korrepetition und Liedbegleitung bei Semion Skigin. 1996 debütierte er auf internationaler Ebene beim britischen Wexford Festival mit Rimski-Korsakows „Mainacht“ und im selben Jahr am Royal Opera House Covent Garden mit „Nabucco“.
Anschließend war er u. a. Erster Kapellmeister der Komischen Oper Berlin (1997– 2001) und Musikdirektor der Glyndebourne Festival Opera (2001–2013). 2003 wurde Vladimir Jurowski zum Ersten Gastdirigenten des London Philharmonic Orchestra ernannt und ist seit 2007 dessen Principal Conductor.
Darüber hinaus ist er Künstlerischer Leiter des Staatlichen Akademischen Sinfonieorchesters „Jewgeni Swetlanow“ der Russischen Föderation, Künstlerischer Leiter des Internationalen George-Enescu-Festivals in Bukarest und Principal Artist des Orchestra of the Age of Enlightenment in Großbritannien. Er arbeitet regelmäßig mit dem Chamber Orchestra of Europe und dem ensemble unitedberlin. Mit Beginn der Saison 2021/2022 wird Vladimir Jurowski zusätzlich zu seinem Engagement beim Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin eine der renommiertesten Positionen im deutschen Musikleben übernehmen: Er ist seit 2018 designierter Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper in München.

An Berlin reizt ihn, dass er in der Stadt, in der seine Familie lebt, auch arbeiten kann, ohne dafür seine Engagements in London, Moskau, New York, Amsterdam, Salzburg oder München aufzugeben. Für das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin hat er sich entschieden, weil er es bereits seit seiner Studienzeit kennt und schätzt. „Ich hatte immer das Gefühl, dass das ein Orchester ist, mit dem ich mich gut verstehen kann.“

Konzerte weltweit

Vladimir Jurowski ist auf der ganzen Welt als Gastdirigent gefragt. Er hat Konzerte der bedeutenden Orchester Europas und Nordamerikas geleitet, darunter die Berliner, Wiener und New Yorker Philharmoniker, das Königliche Concertgebouworchester Amsterdam, das Cleveland und das Philadelphia Orchestra, die Sinfonieorchester von Boston und Chicago, das Tonhalle-Orchester Zürich, die Sächsische Staatskapelle Dresden und das Gewandhausorchester Leipzig.

Mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin konzertierte er im Frühjahr 2019 in Japan, im Herbst 2019 stehen Konzerte beim George-Enescu-Festival in Bukarest an. Das London Philharmonic Orchestra dirigierte er bei Festivals wie den BBC Proms, dem George-Enescu-Festival in Bukarest, dem Musikfest Berlin, dem Schleswig-Holstein Musik Festival und dem Rostropowitsch-Festival Moskau. 2018 stand im Zeichen einer Konzertreihe mit Werken von Strawinsky und dessen Einflüssen und Zeitgenossen. Außerdem dirigierte Jurowski konzertante Opernaufführungen wie Enescus „Oedipe“ (in London und Bukarest) und Wagners „Rheingold“. Zu den Höhepunkten zählten Beethovens „Fidelio“, Mahlers Sinfonie Nr. 8, Pendereckis Lukaspassion und Bachs Weihnachtsoratorium. Mit dem Staatlichen Akademischen Sinfonieorchester „Jewgeni Swetlanow“ hat er in Russland ein markantes individuelles Profil entwickelt, das einen starken Fokus auf das zeitgenössische Repertoire richtet und Shakespeare-Bezüge in Musik,
Theater und Film der früheren Sowjetunion erforscht.

Als Gast dirigierte Vladimir Jurowski Prokofjews „Semjon Kotko“ mit dem Radio Filharmonisch Orkest der Niederlande im Concertgebouw Amsterdam, gab sein Debüt bei den Salzburger Osterfestspielen mit der Staatskapelle Dresden, debütierte bei der Tschechischen Philharmonie, trat mit dem Gustav-Mahler-Jugendorchester und dem Mahler Chamber Orchestra beim Lucerne Festival auf und leitete ein einzigartiges Projekt mit der London Sinfonietta in Moskau anlässlich des Anglo-Russischen Jahres des kulturellen Austausches.

Operndirigate

Vladimir Jurowski ist seit 1996 auf den internationalen Opernbühnen zu Hause. Mit „Rigoletto“ debütierte er an der Metropolitan Opera New York und war seitdem u. a. mit „Jenůfa“, „Pique Dame“, „Hänsel und Gretel“ und „Die Frau ohne Schatten“ erneut dort zu erleben. Er dirigierte „Parsifal“ und „Wozzeck“ an der Welsh National Opera, „Krieg und Frieden“ und die 1869er-Originalversion von „Boris Godunow“ an der Opéra National de Paris, „Eugen Onegin“ an der Mailänder Scala, „Ruslan und Ljudmila“ am Bolschoi-Theater sowie „Jolanthe“, „Die Teufel von Loudon“ an der Dresdner Semperoper und „Die Gezeichneten“ am Opernhaus Zürich. Beim Opernfestival in Glyndebourne leitete er Werke wie „Die Zauberflöte“, „Otello“, „Macbeth“, „Falstaff“, „Die Meistersinger von Nürnberg“, „Tristan und Isolde“, „Don Giovanni“, „The Rake’s Progress“, „Das schlaue Füchslein“, „Ariadne auf Naxos“ und Peter Eötvös’ „Love and Other Demons“. 2017 kehrte er an die Glyndebourne Opera für die Weltpremiere von Brett Deans „Hamlet“ zurück. 2015 leitete er an der Komischen Oper Berlin eine gefeierte Neuproduktion von Schönbergs „Moses und Aron“ und gab sein Debüt an der Bayerischen Staatsoper mit Prokofjews „Der feurige Engel“. Bei den Salzburger Festspielen debütierte er 2017 mit Alban Bergs „Wozzeck“. 2019 leitete er am Moskauer Stanislawski-Theater die Uraufführung von Alexander Vustins Jacques-Cazotte-Oper „Der Teufel in der Liebe“.

CDs und DVDs

Die erste gemeinsame CD von Vladimir Jurowski und dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin aus dem Jahre 2015 wurde sogleich zu einem Meilenstein. Alfred Schnittkes gewaltiger Sinfonie Nr. 3 folgten 2017 eine Strauss-Mahler-Aufnahme und Violinkonzerte von Britten und Hindemith (Arabella Steinbacher) mit dem RSB. Weitere Studioaufnahmen und RSB-Konzertmitschnitte auf CD sind in Vorbereitung bzw. in Planung. Für das Label PENTATONE legte Vladimir Jurowski außerdem eine Reihe von russischen Werken mit dem Russischen Nationalorchester vor. Das CD-Spektrum mit dem London Philharmonic Orchestra umfasst alle Sinfonien von Brahms, Mahlers Erste und Zweite Sinfonie, Tschaikowskys Sinfonien Nr. 1, 4, 5, 6 und „Manfred“, Werke von Beethoven, Turnage, Holst, Britten, Vaughan Williams, Schostakowitsch, Zemlinsky, Honegger, Haydn und Rachmaninow. Die Zeit Jurowskis als Musikdirektor der Glyndebourne Opera wurde mit zahlreichen CD- und DVD-Veröffentlichungen dokumentiert. Weitere DVDs enthalten „Hänsel und Gretel“ aus der Metropolitan Opera New York, die Sinfonien Nr. 4 und 7 von Beethoven mit dem Orchestra of the Age of Enlightenment und Werke von Strauss und Ravel mit dem Chamber Orchestra of Europe, alle veröffentlicht von Medici Arts.

Ehrungen und Preise

Vladimir Jurowski wurde vielfach für seine Leistungen ausgezeichnet, darunter mit zahlreichen internationalen Schallplattenpreisen. Zuletzt kürte ihn die Jury der Royal Philharmonic Society Music Awards zum Dirigenten des Jahres 2018. Zwei Jahre zuvor hatte er aus den Händen von Prince Charles die Ehrendoktorwürde des Royal College of Music in London erhalten.

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