20:00 Philharmonie Berlin

Vladimir Jurowski & Rundfunkchor Berlin

Ludwig van Beethoven

Ouvertüre „Leonore“ Nr. 1 C-Dur op. 138

Johannes Brahms

„Schicksalslied“ für gemischten Chor und Orchester op. 54, Text von Friedrich Hölderlin

Hans Werner Henze

Sinfonia N. 9 für gemischten Chor und Orchester

Vladimir Jurowski

Dirigent

Rundfunkchor Berlin

Florian Helgath

Choreinstudierung

Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin

Das Prinzip Hoffnung

Als Deutscher am Ende des 20. Jahrhunderts eine Neunte Sinfonie zu wagen, diese Herausforderung nahm 1995 der damals fast 70-jährige Komponist Hans Werner Henze an. Bei der Beschäftigung mit Anna Seghers‘ Roman „Das Siebte Kreuz“ verlor er gleichsam die rationale Beherrschung. Das Material zog ihn ins Schicksalhafte, ins Menschheitsumspannende. Es war Zeit für die Botschaft. Henze legte sein politisches und künstlerisches Testament ab in einem großen Chorwerk, das nicht nur die humanistische Oratorientradition eines Händel, Haydn oder Mendelssohn fortführte, sondern auch Mahlers sinfonische Menschheitsdramen mitdachte und Schostakowitschs Sinfonien Nr. 7, 8 und 13 und Hanns Eislers Deutsche Sinfonie.

„Meine neunte Sinfonie befasst sich mit der deutschen Heimat … und war auch bezüglich der seelischen Anstrengung das Extremste, was ich je erlebt habe. … Sie ist eine Summa summarum meines Schaffens, eine Abrechnung mit einer willkürlichen, unberechenbaren, uns überfallenden Welt. Statt die Freude, den schönen Götterfunken zu besingen, sind in meiner Neunten den ganzen Abend Menschen damit beschäftigt, die noch nicht vergangene Welt des Grauens und der Verfolgung zu evozieren, die noch immer ihre Schatten wirft. Eine deutsche Wirklichkeit, ist diese Sinfonie aber vor allem Ausdruck der allergrößten Verehrung für die Leute, die Widerstand geleistet haben in der Zeit des nazifaschistischen Terrors und die für die Freiheit der Gedanken ihr Leben gegeben haben.“ Indem Henze in seiner Sinfonia N. 9 mit packenden Berichten von Angst und Bedrängnis auf Beethovens einstigen Aufruf zur Brüderlichkeit in der „Sinfonie mit Chören“ reagiert, mahnt er uns, die beklemmende Fragilität des Wertes von menschheitsumspannender Brüderlichkeit wahrzunehmen – hier und heute.

Das Hölderlinsche „Es schwinden und fallen die leidenden Menschen“ mündete 1870 bei Johannes Brahms in eine nicht minder ergreifende Partitur, die sich bezeichnenderweise der bitteren, kompromisslosen Konsequenz der Hölderlinschen Textvorlage (Ausschnitt aus dessen Briefroman „Hyperion oder der Eremit in Griechenland“, 1797/1799) nicht anzuschließen vermochte.

Das Konzert wird am 01.03. um 20 Uhr bei Deutschlandfunk Kultur übertragen.

Konzerteinführung: Die übliche Konzerteinführung entfällt zugunsten der Veranstaltung „Quartett der Kritiker“.

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