20:00 Konzerthaus Berlin

Katharina Wincor & Camille Thomas

Augusta Read Thomas

„Plea for Peace“ für Kammerorchester

Fazil Say

“Never Give Up” – Konzert für Violoncello und Orchester

Ludwig van Beethoven

Sinfonie Nr. 6 F-Dur op. 68 („Pastorale“)

Katharina Wincor

Dirigentin

Camille Thomas

Violoncello

Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin

Dringende Bitte: FRIEDEN!

CP-1. Das war der Deckname des ersten Kernreaktors der Welt. „Chicago Pile-1“ erzeugte am 2. Dezember 1942 die erste menschengemachte, sich selbst erhaltende nukleare Kettenreaktion. CP-1 war ein wesentlicher Meilenstein des Manhattan-Projektes, des westalliierten Vorhabens zur Entwicklung von Atombomben während des Zweiten Weltkriegs. Anlässlich des 75. Jahrestages von Chicago Pile-1 reflektierte die 1964 in New York geborene Komponistin Augusta Read Thomas mit musikalischen Mitteln über den physikalischen Vorgang.
Frühere Komponisten hatten adlige Inthronisationszeremonien oder klerikale Bischofsweihen auszugestalten. Doch wie reagierst du als Komponistin auf die erste nukleare Kettenreaktion der Welt? Erkennst du die Auswirkungen für Wissenschaft, Medizin und Energiesektor an? Weist du hin auf die katastrophalen Folgen von Bomben, Krieg, Ressourcenverschwendung und Tod? Augusta Read Thomas‘ „Plea for Peace“ schafft 2017 binnen sechs Minuten beides: Please for Peace, die unendlich sanfte Bitte um Bewahrung der Wunder des Lebens. Und schrecklicher Schrei nach Frieden, bohrende, fordernde, kompromisslose Dringlichkeit.
Das Cellokonzert „Never Give Up“ von Fazıl Say ist nach Auskunft des Komponisten nichts weniger als ein „Aufschrei nach Freiheit und Frieden“. Camille Thomas hat das Werk des namhaften türkischen Musikers 2018 in Paris uraufgeführt und seitdem weltweit bekannt gemacht.
Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 6, die „Sinfonia pastorale“, das instrumentale Pendant seiner späteren, ultimativen Missa solemnis (1819-1823), versteht 1808 die Naturidylle als eine sublimierte Form von Trost, nach Beethovens Worten als eine Rückbesinnung auf äußeren Frieden, um den inneren wiederzufinden. Auf dem Autograph der Missa solemnis ist über dem „Dona nobis pacem“ von Beethovens Hand zu lesen: „Bitte um innern und äußern Frieden“. Ganz in diesem Sinne darf Johann Wolfgang von Goethe mit einem Satz aus der „Italienischen Reise“ (1787/1788) das Schlusswort der RSB-Saison 2025/2026 sprechen: „Ich bin ein Kind des Friedens und will Friede halten für und für mit der ganzen Welt, da ich ihn einmal mit mir selbst geschlossen habe.“

Konzerteinführung: 19.10 Uhr, Ludwig-van-Beethoven-Saal, Steffen Georgi