Edward Elgar
Konzert für Violine und Orchester h-Moll op. 61
Pjotr Tschaikowsky
Sinfonie Nr. 3 D-Dur op. 29
Jonathan Nott
Dirigent
Jonathan Nott - Dirigent
Jonathan Nott wird ab der Spielzeit 2026/2027 neuer Musikdirektor des Gran Teatre del Liceu in Barcelona, Spanien.
Jonathan Nott war als Knabensopran Solosänger (Louis Frémaux und das City of Birmingham Symphony Orchestra), sang als Tenor an der Universität Cambridge und studierte Operngesang am Royal Northern College of Music. Als Korrepetitor am London Opera Studio studierte er Dirigieren bei dem englischen Operndirigenten David Parry, spielte die Orgel in Tosca, dirigierte den Off-Stage-Chor in Parsifal am Covent Garden (Bernard Haitink) und dirigierte das Off-Stage-Orchester in der Aufnahme von Donizettis L’Assedio di Calais durch Opera Rara. Als Tenor sang er mit den Chören von St. Paul’s und Westminster Cathedral.
Seine erste Anstellung war als Korrepetitor an der Oper Frankfurt unter Garry Bertini, der ihm auch seine erste Gelegenheit zum Dirigieren gab: La Finta Giardiniera und Heinz Holligers Beckett-Trilogie, deren Erfolg zu Aufführungen von Die Nase und Mahagonny führte.
Als Erster Kapellmeister der Oper Wiesbaden dirigierte er alle Genres von Cimarosa über Mozart, Rossini, Verdi, Gounod, Puccini, Schostakowitsch, Kurt Weill, Maxwell Davis, Henze, einer neuen Ballettproduktion von Prokofjews Romeo und Julia bis hin zu Sondheim und The Little Shop of Horrors, und er dirigierte Wagners Ring (Siegfried Jerusalem) und Elektra (Eva Marton) bei den Maifestspielen.
Während seiner Zeit in Frankfurt entwickelte er ein Interesse für zeitgenössische Musik: Ligeti (erste ungarische Produktion von Le Grand Macabre, Oper Budapest), Boulez (Ballet Béjart), Stockhausen, Lachenmann, Hosokawa, Eötvös, Gubaidulina sowie viele Komponisten der jüngeren Generation.
Jonathan Nott war Musikdirektor der Oper Luzern, Chefdirigent des Luzerner Sinfonieorchesters und Musikdirektor des Ensemble Intercontemporain. Er debütierte mit dem SWR beim Festival Baden-Baden mit Elektra (Ruth Berghaus, Hildegard Behrens) und initiierte als Musikdirektor des Orchestre de la Suisse Romande neue Produktionen von Rossini Barbieri, Debussy Pelléas, Parsifal und Rosenkavalier am Grand Théâtre de Genève. Er gab konzertante Aufführungen von Tristan beim Edinburgh Festival und Falstaff und dem Ring beim Lucerne Festival mit den Bamberger Symphonikern (Chefdirigent von 2000 bis 2016) und hat gerade eine Neuproduktion des Rings am Theater Basel abgeschlossen.
Während seiner 12-jährigen Tätigkeit als Musikdirektor des Tokyo Symphony Orchestra leitete er zusammen mit Sir Thomas Allen eine Reihe von Opernkonzerten: die Mozart-Da-Ponte-Trilogie, Salome (Asmik Grigorian), Elektra (Christine Goerke); „Bestes Konzert in Japan 2023-24“ laut der Zeitschrift „Ongaku no Tomo“), Rosenkavalier und Schönbergs Gurrelieder.
Zu seinen jüngsten Projekten zählen die Inszenierung von Messiaens Saint-François d’Assise von Adel Abdessemed in Genf, Mahlers 7. Sinfonie mit dem New Japan Philharmonic, zwei Konzerte mit den Berliner Philharmonikern mit Werken von Mazzoli, Eötvös und Ives sowie eine Deutschlandtournee mit der Jungen Deutschen Philharmonie (Chefdirigent von 2014 bis 2024).
Jonathan Nott ist Reiki-Meister: „Im Laufe der Jahre habe ich erkannt, dass wirklich großartiges Dirigieren nichts anderes ist, als die Formung und Umformung der unaufhaltsamen menschlichen Energie, die ständig von den Musikern/Sängern erzeugt wird und durch die grundlegendste und wundersamste Form nonverbaler Kommunikation, die wir „Musik” nennen, an die Zuhörer weitergegeben und von ihnen reflektiert wird. Musik heilt, das ist ihr und unser einziger Zweck.”
Nicola Benedetti
Violine
Nicola Benedetti - Violine
Nicola Benedetti ist eine der gefragtesten Geigerinnen ihrer Generation. Ihre Fähigkeit, das Publikum mit ihrer angeborenen Musikalität und ihrer temperamentvollen Präsenz in den Bann zu ziehen, gepaart mit ihrer großen Anziehungskraft als profilierte Verfechterin der klassischen Musik, hat sie zu einer der einflussreichsten klassischen Künstlerinnen der Gegenwart gemacht.
Die in der schottischen Stadt Irvine geborene Künstlerin mit italienischen Vorfahren erhielt ihren ersten Geigenunterricht im Alter von vier Jahren bei Brenda Smith. Im Jahr 1997 trat sie in die Yehudi Menuhin School ein, wo sie bei Natasha Boyarskaya studierte. Nach ihrem Abschluss setzte sie ihr Studium bei Maciej Rakowski und später bei Pavel Vernikov fort. Im Jahr 2004 gewann sie den Preis „BBC Young Musician“ und startete damit ihre Karriere als internationale Konzertgeigerin.
Da die Konzerttätigkeit im Mittelpunkt ihrer Karriere steht, ist Nicola Benedetti bei großen Orchestern in aller Welt sehr gefragt. Zu den Dirigenten, mit denen Nicola zusammengearbeitet hat, gehören Marin Alsop, Vladimir Ashkenazy, Jiří Bělohlávek, Karina Canellakis, Christoph Eschenbach, Iván Fischer, James Gaffigan, Jakub Hrůša, Kirill Karabits, Kristjan Järvi, Vladimir Jurowski, Cristian Măcelaru, Zubin Mehta, Andrea Marcon, Gianandrea Noseda, Michael Tilson Thomas, Robin Ticciati, Vasily Petrenko, Donald Runnicles, Thomas Søndergård, Pinchas Zukerman und Jaap van Zweden.
Sie hat u. a. mit folgenden renomierten Orchestern zusammengearbeitet: mit dem London Symphony Orchestra, dem London Philharmonic Orchestra, dem New York Philharmonic, dem Gewandhausorchester Leipzig, dem Radiosinfonieorchester Frankfurt, der Tschechischen Philharmonie, dem Budapest Festival Orchestra, der Los Angeles Philharmonic, dem San Francisco Symphony, dem Chicago Symphony Orchestra und dem National Symphony Orchestra of Washington DC.
Im Dezember 2020 gründete Nicola Benedetti das „Benedetti Baroque Orchestra“, ein Zusammenschluss aus freischaffenden Musikern, deren Ziel es ist, auf historischen Instrumenten ein Höchstmaß an kollaborativem und energiegeladenem Musizieren zu schaffen. Das Album “Baroque” wurde im Juli 2021 bei Decca Classics veröffentlicht und erreichte Platz eins der britischen Official Classical Album Chart und erhielt eine 5-Sterne-Kritik in der Times.
Die Künstlerin setzt sich auch für die Vergabe von Kompositionsaufträgen ein, darunter das von der Kritik hochgelobte Violinkonzert von Mark Simpson, das eigens für sie zusammen mit dem London Symphony Orchestra geschrieben wurde und das Violinkonzert von Wynton Marsalis, das 2020 mit einem GRAMMY Award für das „Beste klassische Instrumentalsolo“ ausgezeichnet wurde.
Als begeisterte Kammermusikerin arbeitet Nicola Benedetti mit dem Cellisten Leonard Elschenbroich und dem Pianisten Alexei Grynyuk zusammen, die seit 2008 als Trio auftreten. So konzertierten sie unter anderem in der Wigmore Hall, im Amsterdamer Concertgebouw, beim Edinburgh International Festival, in der Alten Oper Frankfurt, beim Ravinia Festival, im 92nd Street Y in New York und in der City Hall in Hongkong auf. Im Juni 2021 begab sich das Trio auf eine Tournee durch das Vereinigte Königreich mit sieben Auftritten im ganzen Land und im Frühjahr 2022 folgte eine dreizehntägige Europatournee mit Werken von Schumann, Rihm und Brahms. 2023 wird das Trio nach Nordamerika zurückkehren und in 8 Städte an der Ost- und Westküste spielen.
Nicola Benedetti ist eine engagierte, leidenschaftliche Botschafterin und Führungspersönlichkeit im Bereich der Musikausbildung. Ihr Engagement für die Unterstützung der Musikschaffenden im Vereinigten Königreich wurde im Juli 2018 durch die Übernehame des Amts der Präsidentin der European String Teachers‘ Association unterstrichen. Nicola bekleidet weiterhin Schlüsselpositionen in einer Reihe der etabliertesten und hochwertigsten Jugendmusikorganisationen Großbritanniens, darunter die National Children’s Orchestras (Vizepräsidentin), Sistema Scotland (“Big Sister”), National Youth Orchestras of Scotland’s Junior Orchestra (Schirmherrin), Music in Secondary Schools‘ Trust (Schirmherrin), Junior Conservatoire at the Royal Conservatoire of Scotland (Schirmherrin).
Nicola Benedetti ist DECCA-Exklusivkünstlerin (Universal Music). Ihre jüngste Einspielung von Elgars Violinkonzert stieg auf Platz eins der offiziellen britischen Klassik-Album-Charts ein und wurde von der Kritik gelobt, darunter eine 5-Sterne-Kritik in der Times: „Über die schiere Agilität hinaus bietet Benedetti den Zuhörern etwas noch Wertvolleres: eine dynamische, persönliche Interpretation, erfrischend und überzeugend.“ Zu den weiteren Aufnahmen der letzten Zeit gehört ihr mit einem GRAMMY ausgezeichnetes Album, das der Jazzmusiker Wynton Marsalis eigens für sie geschrieben hat: „Violin Concerto in D and Fiddle Dance Suite for Solo Violin“. Nicola Benedettis Diskographie umfasst außerdem Werke von Schostakowitsch und Glasunow Violinkonzerte, Szymanowski Konzerte (London Symphony Orchestra unter Daniel Harding) bis hin zu „Homecoming, A Scottish Fantasy“, mit dem Nicola Benedetti als erste britische Soloviolinistin seit den 1990er Jahren in die Top 20 der offiziellen britischen Albumcharts einstieg. 2021 wurde sie vom BBC Music Magazine zur „Persönlichkeit des Jahres“ ernannt, weil sie viele junge Musiker während der Pandemie online unterstützt hat.
Neben weiteren 9 Ehrentiteln wurde Nicola Benedetti in der Liste der Neujahrsehrungen 2019 zum Commander of the Order of the British Empire (CBE) ernannt, erhielt 2017 als jüngste Empfängerin die Queen’s Medal for Music und wurde 2013 in Anerkennung ihrer internationalen Musikkarriere und ihrer Arbeit zum Member of the Most Excellent Order of the British Empire (MBE) ernannt.
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Der Rosenkavalier aus London und der Charmeur aus Moskau
Vorzeichen und Opuszahl teilt es mit dem Violinkonzert von Ludwig van Beethoven. Darüber hinaus ist es genuiner Elgar, das Violinkonzert in h-Moll. Seit Jacqueline du Près war das Cellokonzert in aller Ohren. Nun holt das Violinkonzert mächtig auf – zu Recht, denn es ist nicht weniger klangprächtig, schönheitstrunken, meditativ. Wie üppige Ranken einer betörend duftenden und lieblich anzuschauenden Clematis blüht die Violine Elgars auf der alten hohen hässlichen Brandmauer, die einst geistvolle Haltung von geistloser Unterhaltung trennen wollte. Strahlen und flackern, jubeln und flüstern, alles dicht beieinander.
Nicht anders in der kaum gespielten Sinfonie Nr. 3 des sonst so großen Favoriten des sinfonischen Kernrepertoires: Pjotr Tschaikowsky. Warum? Ist doch die Dritte ein ebenso strahlendes Prunkstück wie etwa die Vierte. In der Rezeptionsgeschichte hat es sich eingebürgert, dass die Sinfonien Nr. 1, 2 und 3 von den späteren Sinfonien Tschaikowskys überstrahlt werden. Nun ist die Zeit reif, die herrlichen Vorzüge auch der Sinfonie Nr. 3 bekannt zu machen. Fünfsätzig angelegt, spielt sie zunächst mit Errungenschaften der westeuropäischen Musik, um schließlich in einem turbulenten, echt slawischen Finale zu gipfeln, dem Tschaikowsky ein „Tema alla polacca“ einverleibt hat – was kein Grund ist, die Sinfonie „Die Polnische“ zu nennen! Wer würde Beethovens Neunte denn „Türkische“ nennen?
Konzerteinführung: 19.10 Uhr, Südfoyer, Steffen Georgi