Jean Sibelius
„Pohjolan tytär“ (Pohjolas Tochter) – Sinfonische Dichtung op. 49
Moritz Eggert
„Master and Servant“ für Schlagzeug und Orchester (Auftragswerk der RSB, Uraufführung)
Johannes Brahms
Sinfonie Nr. 3 F-Dur op. 90
Vladimir Jurowski
Dirigent
Vladimir Jurowski - Dirigent
Vladimir Jurowski ist seit 2017 Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des RundfunkSinfonieorchesters Berlin (RSB). 2023/2024 setzten seine Konzerte, Tourneen und Aufnahmen die Glanzpunkte der Jubiläumssaison „RSB100“. Sein aktueller Vertrag in Berlin läuft bis 2029. Parallel dazu ist er seit 2021 Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper in München.
Vladimir Jurowski, einer der gefragtesten Dirigenten unserer Zeit, der weltweit für seine innovativen musikalischen Interpretationen und ebenso für sein mutiges künstlerisches Engagement gefeiert wird, wurde 1972 in Moskau geboren und absolvierte den ersten Teil seines Musikstudiums am Music College des Moskauer Konservatoriums. 1990 siedelte er mit seiner Familie nach Deutschland über und setzte seine Studien an den Musikhochschulen in Dresden und Berlin fort. 1995 debütierte er beim irischen Wexford Festival mit Rimski-Korsakows „Mainacht“ und 1996 am Royal Opera House Covent Garden mit „Nabucco“. Anschließend war er Erster Kapellmeister der Komischen Oper Berlin (1997-2001).
Bis 2021 arbeitete Vladimir Jurowski fünfzehn Jahre lang als Chefdirigent des London Philharmonic Orchestra (LPO) und wurde inzwischen zu dessen „Conductor Emeritus“ ernannt. In Großbritannien leitete er von 2001 bis 2013 als Musikdirektor der Glyndebourne Festival Opera eine breite Palette von hochgelobten Produktionen. Seine enge Verbindung zum britische Musikleben wurde im Frühjahr 2024 von König Charles III. dadurch gewürdigt, dass er Vladimir Jurowski zum Honorary Knight Commander of the Most Excellent Order of the British Empire (KBE) ernannte. Im April 2024 kehrte Vladimir Jurowski als Gast nach London zurück, um mit dem LPO in der Royal Festival Hall den konzertanten Aufführungszyklus von Wagners „Ring“ mit der „Götterdämmerung“ zu vollenden.
Ebenfalls bis 2021 war er Künstlerischer Leiter des Staatlichen Akademischen Sinfonieorchesters „Jewgeni Swetlanow“ der Russischen Föderation und Principal Artist des Orchestra of the Age of Enlightenment in Großbritannien, außerdem Künstlerischer Leiter des Internationalen GeorgeEnescu-Festivals in Bukarest. Darüber hinaus arbeitet er seit vielen Jahren mit dem Ensemble unitedberlin zusammen. Die Auftritte in Russland hat Vladimir Jurowski seit Februar 2022 ausgesetzt. Ukrainische Werke sind und bleiben Bestandteil seines Repertoires ebenso wie die Werke russischer Komponisten.
Vladimir Jurowski hat Konzerte der bedeutendsten Orchester Europas und Nordamerikas geleitet, darunter die Berliner, Wiener und New Yorker Philharmoniker, das königliche Concertgebouworchester Amsterdam, das Cleveland und das Philadelphia Orchestra, die Sinfonieorchester Boston und Chicago, das Tonhalle-Orchester Zürich, die Sächsische Staatskapelle Dresden und das Gewandhausorchester Leipzig. Er gastiert regelmäßig bei den Musikfestivals in London, Berlin, Dresden, Luzern, Schleswig-Holstein und Grafenegg. Obwohl Vladimir Jurowski von Spitzenorchestern aus der ganzen Welt als Gastdirigent eingeladen wird, konzentriert er seine Aktivitäten inzwischen auf jenen geographischen Raum, den er unter ökologischem Aspekt mit vertretbarem Aufwand gut erreichen kann.
Die gemeinsamen CD-Aufnahmen von Vladimir Jurowski und dem RSB begannen 2015 mit Alfred Schnittkes Sinfonie Nr. 3. Es folgten Werke von Britten, Hindemith, Strauss, Mahler und erneut Schnittke. Vladimir Jurowski wurde vielfach für seine Leistungen ausgezeichnet, darunter mit zahlreichen internationalen Schallplattenpreisen. 2016 erhielt er aus den Händen des heutigen Königs Charles III. die Ehrendoktorwürde der Royal Philharmonic Society. 2020 wurde Vladimir Jurowskis Tätigkeit als Künstlerischer Leiter des George-Enescu-Festivals vom Rumänischen Präsidenten mit dem Kulturverdienstorden gewürdigt.
Konstantyn Napolov
Schlagzeug
Konstantyn Napolov - Schlagzeug
Der 1987 geborene Konstantyn Napolov ist einer der herausragendsten Perkussionisten der Gegenwart. Als leidenschaftlicher Pionier und Förderer neuer Musik arbeitet er eng mit führenden Komponisten zusammen. International ist er sowohl für Solokonzerte und Perkussionskonzerte mit Orchester, als Artist in Residence in Kammermusikprojekten und als Jurymitglied bei wichtigen Wettbewerben gefragt. Bei Auftritten in ganz Europa und darüber hinaus spielt er Repertoire und Instrumente aus aller Welt und der gesamten Musikgeschichte.
Napolov ist ständig auf der Suche nach neuen und ungehörten Klängen – von subtil bis zu kraftvoll und überwältigend – und immer in eine Vielzahl von Projekten involviert. Er liebt es, sich selbst und die Komponisten, mit denen er zusammenarbeitet, herauszufordern, um die Grenzen der Spieltechniken zu erweitern und die klanglichen Möglichkeiten von Schlaginstrumenten bis zum Äußersten auszuloten. Zu den vielen Komponist:innen, die speziell für ihn neue Werke geschrieben haben, gehören Maxim Shalygin, Tansy Davies, Christiaan Richter, Jan-Peter de Graaff, Moritz Eggert, Martijn Padding, Aart Strootman, Robin de Raaff und Klas Torstensson. Auch Künstler-Persönlichkeiten wie Kaija Saariaho, David Lang, Louis Andriessen, John Luther Adams, Unsuk Chin und Philip Manoury arbeiteten mit ihm zusammen. Mit Steve Reich kooperierte er bei der Aufführung von dessen Meisterwerk Music for 18 musicians for 5000 listeners in den Niederlanden. Um das niederländische Schlagzeug-Repertoire zu fördern, gründete er eine eigene Stiftung, die Dutch Golden Collection Foundation. So realisierte er mittlerweile über 50 Uraufführungen.
Mit der Pianistin Laura Sandee und der Cellistin Maya Fridman bildet der Schlagzeuger ein festes Ensemble und gibt neue Werke für ihre ungewöhnliche Instrumentenkombination in Auftrag. Außerdem entwickelt er gern neue Perkussionsinstrumente, wie beispielsweise Eva, das gemeinsam mit dem Künstler Rob van den Broek für ein Solostück von Remy Alexander entstanden ist. Also Solist trat Napolov unter anderem mit dem Nationalen Symphonieorchester der Ukraine, dem Residentie Orkest in Den Haag, dem Ensemble Asko|Schönberg, dem Philharmonischen Orchester Odessa und dem Orchestre Philharmonique de Strasbourg auf, seit 2014 ist er Solopaukist der Mannheimer Philharmoniker. In Zusammenarbeit mit dem Label TRPTK nahm er seit 2018 mehrere CDs auf.
Napolov studierte Schlagzeug und Dirigieren in Kyiw, bevor er 2015 seine Ausbildung in Den Haag mit Auszeichnung bei Fedor Teunisse, Luuk Nagtegaal, Hans Zonderop und Wim Vos abschloss. Mit einem Erasmus-Stipendium studierte er im Schlagzeug-Mekka Straßburg bei Emmanuel Séjourné. Meisterklassen führten ihn an das Center for Advanced Musical Studies in Chosen Vale (USA) und mit dem prestigeträchtigen Colin-Currie-Stipendium an die New Yorker Juilliard School und das Boston Conservatory. Außerdem besuchte er Meisterklassen bei bekannten Musiker:innen wie Peter Sadlo, Mark Pekarski, Christian Dierstein, Paul Mootz, Marta Klimasara, Robyn Schulkowsky und Nancy Zaltsman. Er gewann zahlreiche Preise, erreichte Finalrunden und erhielt Nominierungen bei Wettbewerben wie dem ARD-Musikwettbewerb München, der TROMP International Percussion Competition Eindhoven, dem Internationaal Kamermuziekconcours Almere, der International Percussion Competition Luxembourg, dem Oh Oh Intro Festival in Den Hague, Dutch Classical Talent, der Grachtenfestival Competition und dem Prins Bernhard Cultuurprijs.
2021 wurde Napolov vom niederländischen Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft ausgewählt, als Artist in Residence die niederländische Kultur in Ägypten zu repräsentieren und mit dem bekannten Musiker und Komponisten Ahmed Saleh auf Tournee zu gehen. Außerdem hatte er die Ehre, mit der Show-Percussion-Gruppe Percossa vor der niederländischen Regierung und der Königsfamilie aufzutreten. Napolov ist offizieller Künstler von Adams, Zildjian, Vic Firth, Mike Balter Mallets und dem Label TRPTK.
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Was kann Macht ohnmächtig machen?
Die bildschöne Tochter des Nordlandes wimmelt einen greisen Schamanen ab, der zudringlich zu werden droht. Wie macht sie das? Indem sie ihn an einer unlösbaren Aufgabe sich vergeblich abarbeiten lässt. Jean Sibelius hat die Episode einmal mehr dem finnischen Nationalepos „Kalevala“ entnommen und daran 1905 seine so fesselnde wie virtuose Tondichtung „Pohjolas Tochter“ entzündet.
Zu der Zeit lag die Sinfonie Nr. 3 von Johannes Brahms gerade 22 Jahre, mithin eine Generation zurück. Sie modifiziert Brahms‘ berühmtes, einst von Joseph Joachim übernommenes Lebensmotto des Verzichts „f-a-e“ (frei aber einsam) zu f-a-f: frei aber froh. Aus den drei Tonbuchstaben gewinnt Brahms nicht nur die Haupttonart F-Dur, sondern auch deren Schattenseite f-Moll (mit „as“ statt „a“). Die unaufgelöste Spannung zwischen diesen beiden Antagonismen treibt die Sinfonie voran, bis deren letzter Satz zum ersten Mal in der Geschichte der großen romantischen Sinfonie sich einem triumphalen Schluss verweigert.
Wer gewinnt, wenn selbstbewusste Solisten und charismatische Dirigenten aufeinandertreffen? Und: Wie reagiert das Orchester? Moritz Eggert: „Als Komponist habe ich mich schon lange dafür interessiert, diese interessante Dichotomie spielerisch zu erforschen. Schlaginstrumente haben wie kein anderes Instrument die Fähigkeit, präzise ‚Befehle‘ zu geben. Doch wird das Ensemble so reagieren, wie es der Solist erwartet?“ Finden Sie es heraus in unserem Konzert!
Konzerteinführung: 19.10 Uhr, Ludwig-van-Beethoven-Saal, Steffen Georgi