20:00 Philharmonie Berlin

Vladimir Jurowski & Christian Tetzlaff

Artist-in-Residence Konzert 1

Anna Korsun

“Terricone” für Sinfonieorchester

Alban Berg

Konzert für Violine und Orchester

Johannes Brahms

Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 73

Vladimir Jurowski

Dirigent

Christian Tetzlaff

Violine

Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin

Berge versetzen

Es liegt nahe, dass bei dem viertelstündigen Werk „Terricone“ (2022) von Anna Korsun die Schlagzeuger mächtig Hand anlegen müssen. Denn der Begriff „Terricones“ bezeichnet jene landschaftsverändernden, menschengemachten Halden aus taubem, oft lange Zeit unbegehbarem Gestein, das nach dem Abbau von Erzen, Salzen oder Kohle übrigbleibt. Die Berge von festen Abfällen umfassen auch Deponien, die durch die Ablagerung von Müll entstehen. So etwas in Musik für Sinfonieorchester zu setzen, das hat die 1986 in der Ukraine geborene Sängerin, Pianistin, Organistin, Dirigentin und Komponistin Anna Korsun unternommen. Ihre spektakulären Werke experimentieren mit geräuschhaltigen Orchesterfarben, ungewöhnlichen Klangtechniken und beziehen dabei bisweilen auch die menschliche Stimme mit ein.

Alban Berg begann mit der Komposition seines tief berührenden Violinkonzertes unmittelbar nach dem Tod von Manon Gropius. Die 19-jährige Tochter von Alma Mahler und Walter Gropius war am 22. April 1935 an Kinderlähmung gestorben. Berg widmete das Werk „Dem Andenken eines Engels“. Im August 1935 beendete er die Partitur in seinem Sommerhaus am Wörthersee – am gegenüberliegenden Ufer hatte Johannes Brahms 1878 sein Violinkonzert komponiert. Im Dezember 1935 verstarb Alban Berg selbst, so dass das Violinkonzert nicht nur zum kompositorischen Vermächtnis, sondern zu seinem eigenen Requiem geworden war.

„…wenn ich Dir den Winter eine Sinfonie vorspielen lasse, so soll’s heiter und lieblich klingen, dass du glaubst, ich habe sie extra für Dich oder gar Deine jungfräuliche Frau geschrieben! Das ist kein Kunststück, wirst Du sagen, Brahms ist pfiffig, der Wörther See ist ein jungfräulicher Boden, da fliegen die Melodien, dass man sich hüten muss, keine zu treten.“ Was Johannes Brahms hier Eduard Hanslick vorschwärmt, betrifft die Sinfonie Nr. 2. Sie entstand 1877 im nämlichen Sommerhaus wie im Jahr darauf das Violinkonzert. Im Vergleich zur Sinfonie Nr. 1 ging diesmal alles ganz schnell: Vier Monate Entstehungszeit gegenüber vierzehn Jahren, D-Dur statt c-Moll – ein Fliegengewicht, ein unbeschwertes Nachspiel, diese Zweite. „Die Leute werden meinen, diesmal hätte ich mir’s leicht gemacht“, vertraute er seinem Verleger Fritz Simrock an, fügte jedoch vielsagend hinzu: „aber Ihnen rate ich, vorsichtig zu sein!“

 

Konzertübertragung: radio 3 überträgt das Konzert live ab 20:03 Uhr.

Konzerteinführung: 19.10 Uhr, Südfoyer, Steffen Georgi

Konzert mit