KAMMERMUSIK

Neben den Sinfonie- und Familienkonzerten sind die Mitglieder des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin regelmäßig in kleineren Formationen zu hören, in der Saison 2017/2018 im Ehemaligen Stummfilmkino Delphi in Berlin-Weißensee und im silent green Kulturquartier in Wedding. Die Kammermusik ergänzt den Musikeralltag um wertvolle Nuancen, ermöglicht es den RSB-Mitgliedern, selbst dramaturgisch tätig zu werden und ist in vielerlei Hinsicht eine Bereicherung für die Musiker und das Publikum.

› Alle sieben Kammerkonzerte der Saison 2017/2018 sind in unserem Konzertkalender auf einen Blick zu sehen.

NEU: Kammermusik-Blog „Klangraum K”

Im neuen Kammermusik-Blog „Klangraum K” dokumentieren die Musikerinnen und Musiker den Weg von der Entstehung der von ihnen selbst zusammengestellten Programme, geben Informationen über die Werke und Komponisten und lassen ihre Probenarbeit und die Konzerte Revue passieren.

EHEMALIGES STUMMFILMKINO DELPHI

In der Saison 2017/2018 ist das RSB erstmals mit drei Konzerten seiner Kammermusikreihe im Ehemaligen Stummfilmkino Delphi zu Gast. 1929 eröffnete das Delphi als letztes Stummfilmkino im Berliner Stadtteil Weißensee, der aufgrund der damals dort florierenden Filmproduktion den Ruf als „Klein Hollywood“ genoss. Das Delphi überstand die Weltwirtschaftskrise und den Zweiten Weltkrieg, verfiel aber ab 1959 in einen Dornröschenschlaf und diente zwischenzeitlich als Briefmarkengeschäft und Gemüselager. 2006 vorgenommene Sanierungsarbeiten und die ab 2013 durchgeführte Umgestaltung zum neuen Kunst- und Kulturort verhalfen dem Delphi schließlich zu neuer Blüte, wobei der besondere Charme der Erbauungszeit erhalten blieb. Heute finden in dem denkmalgeschützten Gebäude verschiedenste Veranstaltungen aus dem Bereich Kunst und Kultur statt. Im hinteren Teil des großen Saales gibt es eine Bar, an der Getränke ausgeschenkt werden.

Präsentiert von: tip Berlin

SILENT GREEN KULTURQUARTIER

Bereits in der Spielzeit 2016/2017 hat sich das silent green Kulturquartier in Wedding als hervorragender Ort für Kammermusik bewährt. Mit vier Konzerten wird das RSB in der Saison 2017/2018 erneut in dem nahe beim S- und U-Bahnhof Wedding gelegenen Gebäudekomplex zu Gast sein. Ursprünglich als erstes Krematorium Berlins in den Jahren 1908 bis 1911 erbaut, wurde das silent green nach umfassenden Umbau- und Renovierungsarbeiten neuen Nutzungsmöglichkeiten zugeführt. Das Herzstück des denkmalgeschützten Areals ist die 17 Meter hohe ehemalige Trauerhalle mit ihrem achteckigen Grundriss und dem pyramidenförmigen Mansardendach. Sie bietet nach dem Umbau eine eindrucksvolle Kulisse für Konzerte und andere Kulturveranstaltungen. Im angeschlossenen Café wird für das leibliche Wohl des Konzertpublikums gesorgt.

Präsentiert von: Zitty

Tickets jeweils 20 €
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EINDRÜCKE VON BETEILIGTEN KÜNSTLERN


INTERVIEW MIT CHRISTOPH KORN


› Christoph Korn ist seit 2002 als Bassklarinettist im RSB und ist begeistert von der künstlerischen Freiheit, die ihm die Kammermusik bietet.

Was ist Deine Motivation, neben dem Orchesterdienst auch Kammermusik zu spielen?

Die Motivation ist riesig. Im Orchester sind manchmal 100 Leute auf der Bühne, da ist man ein kleiner Teil von einem großen Ganzen. Bei der Kammermusik kann man viel stärker seine künstlerische Persönlichkeit ausleben und sich im Grunde solistisch präsentieren. Orchesterspiel und Kammermusik, das sind zwei Teile, die unbedingt beide zu unserem Musikerleben dazugehören sollten. Die Kammerkonzerte und vor allem die Vorbereitung darauf bedeuten viel Arbeit, aber man wird letztlich mitgroßer Freude belohnt. Bei der Kammermusik können wir unserer Kreativität freien Lauf lassen, wir sind unsere eigenen Dramaturgen und können uns die Programme selbstzusammenstellen. Mir ist es auch sehr wichtig, öfter mal ohne Dirigenten und damit künstlerisch frei zu spielen. Im Orchesterdienst müssen wir uns außerdem ziemlich anstrengen, um mit Kollegen aus anderen Stimmgruppen in Kontakt zu kommen. Bei kammermusikalischen Projekten können wir die anderen menschlich und musikalisch viel besser kennenlernen.

Die Kammerkonzerte des RSB finden auch mal an Orten statt, an denen Ihr keine perfekten akustischen Bedingungen vorfindet. Wie gehst Du damit um?

Es macht großen Spaß, an verrückten Orten zu spielen, zum Beispiel damals im Kesselhaus der Kulturbrauerei oder im Dinosauriersaal des Naturkundemuseums. Solche Spielstätten sind auch fürs Publikum toll. Akustisch kann man sich auf vieles einstellen und die Räume werden ja auch im Vorfeld getestet. Wirklich kritisch wird es nur, wenn es aus irgendeinem Grund zu kalt für die Instrumente und die eigenen Finger ist oder wenn es starke Störgeräusche gibt.

Bringt Dir die Kammermusik etwas für dein allgemeines Klarinettenspiel?

Unbedingt! Wenn man ein Kammermusikprojekt hat, beschäftigt man sich noch intensiver mit dem eigenen Instrument. Als Bläser wird man dadurch besonders fit, was den Ansatz und die Intonation betrifft. Somit geht auch das Orchesterspiel leichter von der Hand.

Im Oktober 2015 hast Du bei einem Kammerkonzert eine sehr schwierige Solo-Sequenz von Luciano Berio gespielt. Wie war das für Dich?

Oh ja, da fühlte ich mich kurz ziemlich verlassen von der Welt, das war schon der ultimative Kick. Aber es hat letztlich ganz gut geklappt. Allerdings war es damals auch nicht mit ein paar Stunden Übungszeit getan, dafür habe ich bestimmt ein ganzes Jahr gearbeitet! Als Student steht man ständig alleine auf der Bühne, später eher nichtmehr. Gerade deshalb sollte man sich regelmäßig für die Kammermusikmelden, dieses Training ist für alle Bereiche wichtig: musikalisch, technisch und zwischenmenschlich. Egal ob man Bläser oder Tutti-Streicher ist, es bringt einen auf jeden Fall weiter. Wenn man wie hier im RSB so tolle Kollegen hat, mit denen man zusammen spielen kann, dann hat das eine ganz besondere Qualität, das macht wahnsinnig viel Spaß!

JULIANE MANYAK ÜBER DEN KAMMERMUSIK-BLOG „KLANGRAUM K“


› Juliane Manyak gehört seit 2004 den Zweiten Geigen des RSB an, ist begeisterte Kammermusikerin und hat den „Klangraum K“ mit ins Leben gerufen.

Da ist sie, die Idee. Vielleicht besteht sie zunächst nur aus einem Werk, aber dann setzt sich der Gedanke fort. Er wandelt sich, wächst, hat Zeit – und schließlich wird daraus ein vollständiges Konzertprogramm. Die Planung der Sinfoniekonzerte liegt nicht in den Händen von uns Orchestermusikern, aber die Kammermusik ist ein anderes Feld, auf dem es bei uns demokratisch zugeht, sowohl auf dem Podium als auch bei der Programmgestaltung. Ist der Vorschlag, den wir als Kammermusikensemblegemeinsam einreichen, reizvoll, fließt er in unsere Konzertreihe ein. Die Entscheidung für die Programme der kommenden Spielzeit steht immer im Winter an. Im Vorfeld der Konzerte ist also genug Zeit für persönliche Vorfreude, Zeit, um einen langen Bogen zu spannen, der bis zum finalen Auftritt reicht. Unsere Probenarbeit findet aber zumeist nicht öffentlich statt. Das finden wir eigentlich schade, denn dort passiert so viel: Die Musik blüht auf, Kollegen und ihre Stimmen finden sich, anfängliche Vorstellungen werden auch mal wieder verworfen, aber das Verstehen der Musik wird mit jedem Treffen vertieft. Manchmal sind wir auch verwundert und können nicht bis in alle Ecken ergründen, was der Komponist uns mit seinem Werk ausdrücken lassen wollte. Dann entscheiden wir aus unserer Sicht, mit dem Zeitgeist der Komposition im Kopf und unserem eigenen Gefühl im Herzen. Wir finden, all dies soll nicht mehr nur im Geheimen geschehen. Wenn wir uns auf Kammermusikprojekte vorbereiten, teilen wir deshalb unsere Gedanken mit Ihnen in unserem neuen Blog „Klangraum K“. Es gibt Einblicke, Ausblicke und so einige Überraschungen, wir laden Sie dazu ein, uns regelmäßig auf klangraum-k.de zu begleiten!