20:00 Philharmonie Berlin

Saisoneröffnung beim Musikfest Berlin

Persönliche Einladung des Chefdirigenten. Brief lesen.

Helmut Lachenmann

„Ausklang“ – Konzertante Musik für Klavier und Orchester

Dmitri Schostakowitsch

Sinfonie Nr. 11 g-Moll op. 103 („Das Jahr 1905“)

Vladimir Jurowski

Dirigent

Pierre-Laurent Aimard

Klavier

Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin

Hellhörig werden
„Eigentlich bin ich ja berüchtigt wegen meiner Geräuschtechniken, ja? Aber warum soll man sich immer festlegen lassen? … Der Begriff Geräusch gefällt mir eigentlich überhaupt nicht, aber ein Rauschen gefällt mir schon viel besser. Ein Waldesrauschen ist doch eine wunderbare Erfahrung.“ Sagt Helmut Lachenmann und schmunzelt. „Ausklang“ heißt seine Konzertante Musik für Klavier und Orchester aus den Jahren 1984/1985. Das Nicht-Klavierkonzert lädt ein zur maximalen Konzentration und zum lächelnden Loslassen gleichermaßen. Mit Hilfe von buchstäblich unzähligen, meist nur winzigen Gesten generiert der Komponist immer neue Inseln des Klingens, des Verklingens, des Nachlauschens, des Aufgehens von Musik im Rausch(en) des Universums.

Vordergründig entspricht die Sinfonie Nr. 11 von Dmitri Schostakowitsch den Forderungen des sogenannten „sozialistischen Realismus“, man hört ihr die konkreten Details des „Blutsonntags“ von Petersburg an, als der Zar 1905 in die unbewaffnete Menschenmenge vor seinem Palast schießen ließ. Und Schostakowitsch war Patriot und vor allem Mensch genug, um tatsächlich eine tiefe Empathie für die notleidende, protestierende Bevölkerung Russlands am Anfang des 20. Jahrhunderts zu empfinden. Doch was teilweise so plastisch wie Filmmusik klingt, hat mindestens eine weitere, tiefere Ebene. Der Schlüssel dazu liegt in einer so unscheinbaren wie vielsagenden Bemerkung von Schostakowitsch, die von Solomon Volkov dokumentiert wurde. Demnach sollte die Sinfonie anfangs die Bezeichnung „1906“ tragen. Dies aber war das Geburtsjahr von Schostakowitsch! Der Komponist gab also einen dezenten Hinweis auf die autobiographische Dimension des Werkes.
Die Sowjetführung fühlte sich jedenfalls geschmeichelt von dem turbulent-schmissigen Ausgang und leckte sich schon die Lippen nach einer Darstellung der 1917er Revolution, Schostakowitsch erhielt den Leninorden. Sein Sohn Maxim aber befürchtete nach der Generalprobe der Sinfonie Nr. 11: „Mein Gott, dafür werden sie dich aufknüpfen!“

Vladimir Jurowski wird dem Publikum das Werk von Lachenmann in einer kurzen Moderation vorstellen.

Konzertübertragung: Das Konzert wird am 12. September um 20:00 Uhr auf Deutschlandfunk Kultur übertragen.

Konzerteinführung: 19.10 Uhr, Südfoyer, Steffen Georgi

Konzert mit

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