19:30 silent green

Kammerkonzert im silent green

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Einojuhani Rautavaara

Streichquartett Nr. 1 („Quartettino“)

Edvard Grieg

Streichquartett F-Dur EG 117

Aulis Sallinen

Trio für Violine, Violoncello und Klavier op. 96

Johannes Brahms

Quintett für Klavier, zwei Violinen, Viola und Violoncello f-Moll op. 34

Maria Pflüger

Violine

Brigitte Draganov

Violine

Gernot Adrion

Viola

Jörg Breuninger

Violoncello

Alkistis Milioni

Klavier

Einladung nach Skandinavien

Der finnische Komponist Einojuani Rautavaara (1928-2016) wurde in jener Zeit geboren, als sein Landsmann und Vorbild Jean Sibelius endgültig aufhörte zu komponieren. Rautavaaras erstes Streichquartett (1953) verrät sein Interesse am Neoklassizismus. Ein an Strawinsky erinnerndes Idiom und die finnische Volksmusik gehen eine spannende Verbindung ein. Doch auch slawische Romantik war dem Finnen nicht fremd, ebensowenig eine pfeffrige italienische Gigue am Ende.

Mit ähnlich heiterem Gestus hatte um 1890 der Norweger Edvard Grieg seinem eher grüblerischen Streichquartett g-Moll eine „leichte und frohe Schwester“ in F-Dur an die Seite gestellt. Doch das helle, serenadenartige Werk sollte nur zweisätzig bleiben. Trotz mehrerer Anläufe kam Edvard Grieg nicht dazu, das lohnende Fragment zu beenden.

Aulis Sallinen, sieben Jahre jünger als Einojuhani Rautavaara und gleichaltrig wie Arvo Pärt, komponierte das Klaviertrio im Jahre 2010, es erklingt jetzt zum ersten Mal in Deutschland. Es ist das Werk eines lebenserfahrenen Komponisten. Unter Verwendung eines von Prokofjew entlehnten Titels, „Visions fugitives“, überträgt Sallinen die im Alter allmählich nachlassenden Kräfte auf ein Gleichnis aus der Malerei: „Die sinnliche Welt eines Malers, der allmählich erblindet, ist letztlich dazu verurteilt, nur noch mit Hilfe der Erinnerung zu funktionieren. Mit ihrer Hilfe weiß er, wie Gelb und Blau zusammen klingen, doch er hört und sieht sie nicht mehr. Aus dieser Vorstellung entstanden die ‚flüchtigen Visionen‘. Alle drei Sätze des Klaviertrios … teilen dasselbe Schicksal: Die musikalische Textur ist entschlossen zu fliehen, zu verschwinden.“ (Aulis Sallinen)

Falls er je eine fünfte Sinfonie komponieren sollte, so würde er, Edvard Grieg, gerne die Uraufführung in Norwegen dirigieren wollen, bekam der davon sichtlich berührte deutsche Kollege Johannes Brahms von dem jungen Norweger zu hören. Auch wenn es dazu bekanntlich nicht kam, bildet das „über alle Maaßen schöne“ (Hermann Levi) Klavierquintett von Brahms einen prächtigen Abschluss für das Programm. Die Klangentfaltung der vier Streichinstrumente korrespondiert mit dem Figurenwerk und der Akkordkraft des Klaviers.