Artur Rucinski

Der Bariton Artur Ruciński gehört zu einer ausgewählten Gruppe von polnischen Opernsängern, die in den letzten Jahren zu internationalem Ruhm gelangt sind.

Der gebürtige Warschauer studierte an der Musikhochschule und baute sein Repertoire bei Auftritten mit der Warschauer Kammeroper und am Teatr Wielki – Polnische Nationaloper in Warschau auf, wo er 2002 in der Titelrolle von Eugen Onegin debütierte, über den das Polish Music Journal berichtete: „… Artur Rucińskis schöner Gesang und seine lyrische Qualität waren der Höhepunkt des Abends“. Bald folgten Einladungen, mit Valery Gerghiev Prinz Jelecky in Pique Dame, die Titelrolle in Onegin und Valentin in einer neuen Robert-Wilson-Produktion von Faust zu singen.

Der Wendepunkt seiner Karriere kam jedoch, als Daniel Barenboim ihn hörte und ihn einlud, unter seiner Leitung und an der Seite von Rolando Villazon im März/April 2010 an der Deutschen Staatsoper Berlin den Eugen Onegin zu singen.

In den folgenden Jahren wurden die Carmina Burana in vielen der wichtigsten Opernhäuser und Konzertsäle der Welt aufgeführt. Der verstorbene Musikjournalist Karl Löbl schrieb über seine Carmina Burana: „Bariton-Entdeckung im Wiener Musikverein – merken Sie sich den Namen Artur Ruciński und gehen Sie in jede Oper, in der Sie diesen Sänger hören können…“.

Er trat bei den Bregenzer Festspielen (Tadeusz in Weinbergs Der Passagier), am Teatro Liceu Barcelona (Krol Roger), an der Hamburgischen Staatsoper (Lord Ashton in Lucia di Lammermoor) und in Valencia (Lescaut in Manon unter der Leitung von Lorin Maazel und Eugen Onegin, dirigiert von Maestro Wellber und auf DVD aufgenommen) auf. Er kehrte nach Berlin zurück, um erneut unter M° Barenboim zu singen, diesmal als Conte Almaviva in Le Nozze di Figaro. Im Sommer 2011 gab Artur Ruciński sein Debüt in der Arena di Verona mit Roméo et Juliette (Mercutio) und erntete dafür viel Beifall von Presse und Publikum. Anschließend sang er I Masnadieri (Francesco di Moor), Messa di Gloria und Kindertotenlieder in Neapel unter der Leitung von M. Luisotti.

Im Januar 2012 gab er sein Debüt im Vereinigten Königreich mit einem Rosenblatt-Solokonzert mit Opernarien und Tadeusz Bairds Four Love Sonnets, Vertonungen polnischer Shakespeare-Übersetzungen, am Londoner St. John’s Smith Square in London. Im Mai 2012 gab er sein amerikanisches Debüt als Marcello in La Bohème an der Los Angeles Opera, und 2013 debütierte er an der Opéra Bastille in Paris als Ford in Falstaff und kehrte an die Arena di Verona zurück, wo er Il Trovatore (Conte di Luna) und La Traviata (Germont Padre) sang.

Zu den Höhepunkten seiner Karriere zählen I Masnadieri am Teatro La Fenice in Venedig und beim Festival Verdi in Parma, Il Trovatore bei den Wiener Festwochen und im Januar 2014 seine erste Zusammenarbeit mit M° Kirill Petrenko an der Staatsoper München (Eugen Onegin), gefolgt von einer Neuproduktion von Falstaff an der Oper Frankfurt am Main unter der Leitung von Bertrand de Billy, Attila (Ezio) in Warschau und Eugen Onegin in Bologna. Er debütierte am Royal Opera House in London als Giorgio Germont und bei den renommierten Salzburger Festspielen als Conte di Luna und sang anschließend dieselbe Rolle am La Fenice in Venedig. Es folgte ein weiteres wichtiges Debüt: an der Scala mit Simon Boccanegra (Paolo Albiani).

In den folgenden Jahren sang er La Traviata an der Deutschen Oper Berlin, Eugen Onegin in Warschau, Don Pasquale in Valencia, Lucia di Lammermoor in Hamburg und Zürich, Il Trovatore bei den Salzburger Festspielen, La Traviata und Il Trovatore in der Arena di Verona sowie das beliebte Konzert „Weihnachten in Wien“ im Wiener Konzerthaus und Szymanowskis Stabat Mater mit dem RSO unter Ingo Metzmacher im Wiener Muzikverein. Außerdem gab er sein Debüt in der Titelrolle des Don Giovanni an der Opéra Bastille in Paris, wo er anschließend auch Lucia di Lammermoor sang. Er trat erstmals an der Metropolitan in New York in Madama Butterfly (Sharpless) und am New National Theatre in Tokio als Lord Ashton in Lucia di Lammermoor auf und kehrte als Eugen Onegin, Lord Ashton und Germont an das Royal Opera House in London sowie als Marcello und Conte di Luna an das Liceu in Barcelona zurück.

In den letzten Spielzeiten gab er sein Debüt an der San Francisco Opera als Germont in La Traviata, am Teatro dell’Opera di Roma als Francesco in I Masnadieri, am Teatro Real de Madrid als Lord Ashton in Lucia di Lammermoor, an der Lyric Opera of Chicago in Il Trovatore und an der Opéra de Monte-Carlo in einer konzertanten Fassung von Luisa Miller. Zuletzt sang er La Bohème an der ABAO Olbe Bilbao und an der Opéra Bastille, wo er auch als Gianni Schicchi debütierte, I Masnadieri im Palau de les Arts, La Traviata, Manon und La Bohème an der Metropolitan Opera, Iolanta im Palais Garnier, Il Trovatore, La Traviata und Un Ballo In Maschera am Teatro Real, und er kehrte als Lucia di Lammermoor an die Opéra de Monte-Carlo zurück.

Für die Zukunft sind u. a. eine konzertante Aufführung von Lucia di Lammermoor im Moskauer Tschaikowsky-Saal und die Rückkehr an die Opéra de Paris für Il Trovatore geplant.

Artur Ruciński widmet einen Teil seines vollen Terminkalenders Konzertauftritten und Auftritten in Rundfunk und Fernsehen beim Warschauer Festival, in Paris, Oslo, Dresden, Wien und Berlin, um nur einige zu nennen, und singt dabei Repertoire von Händels Messias bis zu Pendereckis Lukas-Passion. Das Gedenkkonzert von Gdansk mit Brittens War Requiem unter Neville Marriner fand große Beachtung.

Zahlreiche CD- und DVD-Aufnahmen dokumentieren die Vielseitigkeit dieses jungen Ausnahmekünstlers.