Digitales Programm
Di 12.05.2026 Leonard Slatkin
20:00 Philharmonie
Leonard Bernstein
„On the Town“ – Drei Tanzepisoden
Cindy McTee
Adagio für Streichorchester
Samuel Barber
Toccata festiva für Orgel und Orchester op. 36
Pause
Aaron Copland
Sinfonie Nr. 3
Besetzung
Leonard Slatkin, Dirigent
Cameron Carpenter, Orgel
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Das Konzert wird am 15.05.2026 um 20 Uhr bei Deutschlandfunk Kultur übertragen.
Konzerteinführung: 19.10 Uhr, Südfoyer, Steffen Georgi
Ein Konzert in Kooperation mit dem Tagesspiegel.
A real American dream
Carpenter und Orgel, das ist wie ein Tsunami für die Ohren – aus sicherer Entfernung, keine Sorge! Die Toccata festiva von Samuel Barber kommt natürlich nicht umhin, der berühmtesten aller Orgel-Toccaten, jener in d-Moll von Johann Sebastian Bach, ihre Referenz zu erweisen.
Ein Adagio für Streichorchester, genau das hätte man hingegen gerade von Barber erwartet. Aber es kommt in unserem Konzert von Cindy McTee. Auch die 1953 geborene US-Amerikanerin zögert nicht, dem großen Vorbild – in dem Fall Barber – alle Ehre zu erweisen. Und Bach obendrein: Das Hauptthema fußt auf den Tönen B-A-C-H.
Über die 1945 komponierte Sinfonie Nr. 3 von Aaron Copland, die Leonard Slatkin weltweit dirigiert, so auch jetzt bei seinem späten RSB-Debüt, hat ihr einst führender Interpret, der Komponist und Dirigent Leonard Bernstein gesagt: „The symphony has become an American monument, like the Washington Monument or the Lincoln Memorial“. Mögen Bernsteins eigene Drei Tanzepisoden den amerikanischen Abend furios einleiten!
Podcast "Muss es sein?"
Leonard Bernstein
„On the Town“ – Drei Tanzepisoden
Virtuoser Grenzgänger
Cut – die Nacht ist nicht zum Schlafen da! Aber so gar nicht! Suggeriert das Finale, das „Times Square Ballet“. Wie die Motten vom Licht werden nun die Matrosen vom „Roseland Dance Palace“ am Times Square angezogen. Nehmt euch in Acht vor den feschen Jungs!
Musik um ihrer selbst willen wäre für Bernstein unvorstellbar gewesen. Sie hat bei ihm immer etwas mitzuteilen, sucht den Dialog mit den Menschen. Mit einer solchen Haltung stand Bernstein in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts weit außerhalb der vorherrschenden Ästhetik in der zeitgenössischen Musik, namentlich der europäischen Avantgarde. Und als er gar die Tonalität als probates Mittel neben nichttonaler, serieller Musik gelten ließ, lachte man hohnvoll auf in Paris, Warschau, Darmstadt und Donaueschingen. Heute Abend in Berlin kommt einfach Freude auf, nicht wahr?
Cindy McTee
Adagio für Streichorchester
Adagio für Streicher
Cindy McTee
Der Vater spielte Trompete, die Mutter Klarinette und Saxophon. 1953 wurde Cindy McTee in Tacoma, Washington, geboren. Populäre Musik und Jazz der 1940er und 1950er Jahre gehörten zu ihren ersten musikalischen Erfahrungen. Sie erlernte das Klavierspiel und erhielt Saxophonunterricht von ihrer Mutter. Früh begann sie zu improvisieren – der Beginn ihrer Karriere als Komponistin.
1974, während ihres Kompositionsstudiums an der Pacific Lutheran University in Tacoma, lernte sie Krzysztof Penderecki kennen. Penderecki lud Cindy McTee nach Polen ein, um seinen Kindern Englisch beizubringen und im Gegenzug Kompositionsunterricht von ihm zu erhalten. Sie nahm die Einladung an und verbrachte ein Jahr in Polen bei der Familie Penderecki, während sie an der Krakauer Musikakademie bei Marek Stachowski und Krystyna Moszumanska-Nazar Orchestrierung, Kompositionstechniken des 20. Jahrhunderts und Kontrapunkt studierte. Der Unterricht bei Penderecki fand meist eher informell, am Esstisch der Familie, statt.
Cindy McTee wurde für ihre Musik vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit einem Guggenheim-Stipendium, einem Fulbright-Stipendium und zahlreichen Preisen. 2001 gewann sie den Kompositionswettbewerb des Louisville Orchestra. Inzwischen spielen Orchester in Baltimore, Bern, Boston, Chicago, Dallas, Detroit, Helsinki, Washington, Tokio, Pittsburgh, Dublin, Madrid, Lyon, Shanghai, Sydney, Toronto, London, Cleveland, Louisville, Philadelphia, Houston, Los Angeles, Moskau und New York ihre Werke.
Cindy McTee blickte auf eine 30-jährige Karriere als Dozentin zurück, die sie mit ihrer Tätigkeit als Komponistin verband – drei Jahre an der Pacific Lutheran University und 27 Jahre an der University of North Texas, wo sie 2011 als Professorin Emerita in den Ruhestand trat. Im selben Jahr heiratete die mittlerweile passionierte Hobbyphotographin den Dirigenten Leonard Slatkin. Ihr Hauptwohnsitz ist Saint Louis, Missouri.
Samuel Barber
Toccata festiva für Orgel und Orchester op. 36
Der Sänger Amerikas
Festlich wie bei Bach darf es schon zugehen in der frei flottierenden Fantasie. Barber begann damit im März 1960 in seinem Haus in New York, im Mai des gleichen Jahres beendete er die „Toccata Festiva“ in München. Die Uraufführung fand am 30. September 1960 in Philadelphia unter der Leitung von Eugen Ormandy mit Paul Callaway, dem Organisten der National Cathedral in Washington, als Solisten statt. Überzeugen Sie sich selbst, welch glänzende Figur die Toccata auch heute noch in einem repräsentativen Konzertsaal macht!
Aaron Copland
Sinfonie Nr. 3
Die Neue Welt trumpft auf
Texte © Steffen Georgi

Kurzbiographien
Leonard Slatkin

Der international renommierte Dirigent Leonard Slatkin ist Musikdirektor des Detroit Symphony Orchestra, Directeur Musical Honoraire des Orchestre National de Lyon (ONL), Ehrendirigent des St. Louis Symphony Orchestra (SLSO), Erster Gastdirigent des Orquesta Filarmónica de Gran Canaria (OFGC) und künstlerischer Berater des Las Vegas Philharmonic (LVP). Er hat einen straffen Terminkalender als Gastdirigent und ist außerdem als Komponist, Autor und Pädagoge tätig.
Die Saison 2025-26 umfasst Engagements mit dem National Symphony Orchestra (Irland), dem Manhattan School of Music Symphony Orchestra, dem SLSO, dem USC Thornton Symphony, dem LVP, dem Taiwan Philharmonic, dem KBS Symphony Orchestra (Seoul), dem Gunma Symphony Orchestra, dem NHK Symphony Orchestra (Tokio), Nashville Symphony, Atlanta Symphony Orchestra, Orchestre Symphonique de Montréal, Warsaw Philharmonic, Franz Schubert Filharmonia (Barcelona), ONL, Prague Symphony Orchestra, Filarmonica George Enescu (Bukarest), OFGC und Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin.
Slatkin wurde mit sechs Grammy Awards ausgezeichnet und erhielt 35 Nominierungen. Naxos hat kürzlich die Vox-Audiophile-Editionen seiner SLSO-Aufnahmen mit Werken von Gershwin, Rachmaninow und Prokofjew neu aufgelegt. Weitere Naxos-Aufnahmen sind „Slatkin Conducts Slatkin“ – eine Zusammenstellung von Stücken, die von mehreren Generationen seiner Familie komponiert wurden – sowie Werke von Saint-Saëns, Ravel, Berlioz, Copland, Borzova, McTee und Williams.
Slatkin ist Träger der National Medal of Arts und Ritter der französischen Ehrenlegion. Er wurde mit dem Prix Charbonnier der Fédération des Alliances Françaises, der Silbernen Ehrenmedaille Österreichs und dem Goldenen Taktstock der League of American Orchestras ausgezeichnet. Seinem Debütbuch Conducting Business (2012), für das er den ASCAP Deems Taylor Special Recognition Award erhielt, folgten Leading Tones (2017) und Classical Crossroads: The Path Forward for Music in the 21st Century (2021). Seine neuesten Bücher sind Eight Symphonic Masterworks of the Twentieth Century (Frühjahr 2024) und Eight Symphonic Masterworks of the Nineteenth Century (Herbst 2024), Teil einer fortlaufenden Reihe von Essays, die den Prozess des Studiums von Partituren ergänzen und bei Bloomsbury erscheinen.
Slatkins Tätigkeit als Operndirigent führte ihn an die Metropolitan Opera, die Lyric Opera of Chicago, die Washington National Opera, das Opera Theatre of St. Louis, die Santa Fe Opera, die Wiener Staatsoper, die Stuttgarter Oper und die Opéra Bastille in Paris. Er wurde in Los Angeles in eine angesehene Musikerfamilie geboren und begann seine musikalische Ausbildung mit dem Violinspiel. Zunächst studierte er Dirigieren bei seinem Vater, anschließend bei Walter Susskind in Aspen und Jean Morel an der Juilliard School. Er lebt mit seiner Frau, der Komponistin Cindy McTee, in St. Louis.
Cameron Carpenter

Cameron Carpenter schrieb Musikgeschichte, als er als erster Organist überhaupt für einen GRAMMY Award für ein Soloalbum nominiert wurde. Für seine bemerkenswerte Karriere erhielt er zahlreiche renommierte Auszeichnungen, darunter den Leonard-Bernstein-Preis 2012 sowie mehrfach ECHO Klassik- und Opus Klassik-Preise.
Als Absolvent der Juilliard School hat Carpenter in vielen der bedeutendsten Konzerthäuser der Welt gespielt, darunter die Royal Albert Hall in London, das Sydney Opera House, die Tonhalle Zürich, die Philharmonie de Paris und die Berliner Philharmonie. Seine künstlerische Bandbreite zeigt sich durch Auftragskompositionen des Shanghai Symphony Orchestra und der Kölner Philharmonie sowie Auftritte bei prestigeträchtigen Veranstaltungen wie der TED-Konferenz und dem Aspen Ideas Festival.
Carpenter konzertiert mit Weltklasse-Orchestern wie der Los Angeles Philharmonic, der Chicago Symphony, der Boston Symphony, der Atlanta Symphony, dem Minnesota Orchestra, den Symphonieorchestern von Pittsburgh und Dallas, dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin, dem Orchestre National du Capitole de Toulouse, dem Orchestre Philharmonique de Luxembourg und dem ORF Radio-Symphonieorchester. Dabei arbeitete er mit renommierten Dirigenten wie Alexander Shelley, Manfred Honneck, Tughan Sokhiev, Cornelius Meister, Christoph Eschenbach und Kirill Karabits zusammen.
Zu den Highlights dieser Saison zählen Auftritte mit dem Rotterdam Philharmonic Orchestra und dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Recitals in Monaco, Litauen sowie bei der Internationalen Orgelwoche Nürnberg. Im Dezember 2025 wird er im Rahmen der Festkonzerte anlässlich der Wiedereröffnung der Beethovenhalle in Bonn zu hören sein. Kürzlich gastierte er in der Philharmonie Köln, im Festspielhaus Baden-Baden, in der Cité de la Musique in Paris sowie beim Lucerne Festival. Darüber hinaus war er als Artist in Residence am Konzerthaus Berlin engagiert. Ob auf den größten Bühnen der Welt oder in intimerem Rahmen – Carpenter begeistert sein Publikum immer wieder und definiert die künstlerischen Möglichkeiten der Orgel neu.
Sein 2021 veröffentlichtes Album „Bach & Hanson“, aufgenommen im Berliner Konzerthaus, zeigt seine Interpretation von Bachs Goldberg-Variationen zusammen mit Hansons Symphonie Nr. 2 und verbindet auf seine ganz eigene Weise klassische Meisterschaft mit Innovation. Eines seiner früheren Alben, „All You Need is Bach“, erreichte Platz 1 der traditionellen Klassik-Charts.
RSB-Abendbesetzung
Violine 1
Ofer, Erez
Nebel, David
Herzog, Susanne
Yoshikawa, Kosuke
Neufeld, Andreas
Drechsel, Franziska
Feltz, Anne
Morgunowa, Anna
Pflüger, Maria
Polle, Richard
Shalyha, Bohdan
Stangorra, Christa-Maria
Tast, Steffen
Yamada, Misa
Seogyun, Noh
Fan, Yu-Chen
Violine 2
Contini, Nadine
Simon, Maximilian
Drop, David
Buczkowski, Maciej
Draganov, Brigitte
Eßmann, Martin
Hetzel de Fonseka, Neela
Manyak, Juliane
Palascino, Enrico
Seidel, Anne-Kathrin
Jung, Yujoo
Top, Ildyn
Seo, Bohun
Viola
Errera Pavon, Karolina
Adrion, Gernot
Silber, Christiane
Drop, Jana
Doubovikov, Alexey
Montes, Carolina
Inoue, Yugo
Nell, Lucia
Roske, Martha
Solle, Miriam
Ahn, Seun
Mütze, Antonia
Violoncello
Eschenburg, Hans-Jakob
Riemke, Ringela
Breuninger, Jörg
Weiche, Volkmar
Albrecht, Peter
Bard, Christian
Boge, Georg
Kipp, Andreas
Weigle, Andreas
Lee, Danbin
Kontrabass
Wömmel-Stützer, Hermann
Figueiredo, Pedro
Rau, Stefanie
Ahrens, Iris
Buschmann, Axel
Schwärsky, Georg
Moon, Joonho
Moon, Junha
Kostic, Dusan
Flöte
Schaaff, Ulf-Dieter
Schreiter, Markus
Dallmann, Franziska
Grudin, Leonid
Oboe
Lazzari, Leandro
Grube, Florian
Herzog, Thomas
Alt Saxophon
Enzel, Christoph
Klarinette
Kern Michael
Pfeifer, Peter
Korn, Christoph
Simpfendörfer, Florentine
Fagott
Kofler, Miriam
Voigt, Alexander
Königstedt, Clemens
Horn
Ember, Daniel
Rast, Quirin
Stephan, Frank
Hetzel de Fonseka, Felix
Trompete
Coker, Alper
Ranch, Lars
Gruppe, Simone
Hofer, Patrik
Posaune
Hölzl, Hannes
Hauer, Dominik
Lehmann, Jörg
Tuba
Xu, Hanwen
Harfe
Edenwald, Maud
Dessus, Anne
Percussion
Tackmann, Frank
Thiersch, Konstantin
Lichtenfels, Jannis
Reddemann, Ingo
Zeuner, Lukas
Schweda, Tobias
Pauke
Eschenburg, Jakob
Klavier
Syperek, Markus
Celesta
Gneiting, Heike
Vorschau kommende Konzerte
Kooperationspartner


Bildrechte
Titelbild Leonard Slatkin © Cindy McTee
Portraitbild Cindy McTee © Laurie Tennent
RSB in der Philharmonie © Peter Meisel