Folge 1: Stunde Null des öffentlichen Rundfunks

RSB Geschichte
Geschrieben von Steffen Georgi
am 13. Dezember 2020

„Achtung! Hier Sendestelle Berlin Voxhaus Welle 400. Wir bringen die kurze Mitteilung, dass die Berliner Sendestelle Voxhaus mit dem Unterhaltungsrundfunk beginnt.“

Die Geburt des Radio-Konzertes

Preußisch-lapidarer hätte der Satz kaum formuliert sein können, mit dem am Abend des 29. Oktober 1923 Friedrich Georg Knöpfke, der spätere Direktor der Berliner Funkstunde, den Beginn einer sagenhaften, einer bahnbrechenden Ära ankündigte.

Und sogleich erklang zum ersten Mal Musik im Rundfunk, auch wenn es zunächst „nur“ ein unscheinbares Andantino aus der Feder des österreichischen Geigers und Komponisten Fritz Kreisler war. In einer Originalübertragung aus dem Voxhaus in der Potsdamer Straße 4 in Berlin, wo die „Radio-Stunde AG“ einige Räume im Dachgeschoss zu Sendestudios umgebaut hatte, spielten damals Otto Urack, Violoncello, und Fritz Goldschmidt, Klavier.

Der Berliner Musiker Otto Urack (1884-1963) war ein einstiger Schüler von Max Bruch. Der erste Musiker, der live aus einem deutschen Sendestudio die Hörer des zivilen Rundfunks erfreute, betätigte sich außerdem als Kapellmeister, Dirigent, Arrangeur, Komponist – und als Pianist. Im Verlauf des an dem historischen Tag ausgestrahlten, etwa einstündigen Konzertes u.a. mit Musik von Mozart, Beethoven, Schumann, Mendelssohn, Tschaikowsky, Saint-Säens und Kreisler, das zum Teil live vorgetragen, zum Teil von Schellack-Plattenaufnahmen gespeist wurde, spielte Otto Urack außerdem noch Klavier. Nichts weniger als der zivile Rundfunk, der für die Musik stets von herausragender Bedeutung gewesen ist und der in den heutigen Coronazeiten eine ungeahnte Renaissance erfährt, hat am 29. Oktober 1923 seinen allerersten Anfang genommen.

Hören Sie Otto Urack mit dem Andantino von Fritz Kreisler

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