Probenbeginn

Backstage
Geschrieben von Anne Ströhler
am 11. Februar 2021

Im Gespräch mit Konzertmeister Rainer Wolters

Erstmals kommen die Musiker*innen des RSB wieder zusammen, um zu proben. Vasily Petrenko, regelmäßig zu Gast beim RSB, hat Tschaikowskys Streicherserenade und Schostakowitschs Kammersinfonie op. 83a im Gepäck.
Wie ist dieser Start aus der Sicht eines Orchestermusikers? Wie geht man mit dieser Pandemie-Situation um? Und wie verändert sich das Hören? Hierzu waren wir im Gespräch mit Rainer Wolters, Konzertmeister des RSB.

Es geht uns verhältnismäßig gut. Wir können immerhin wieder spielen, wenn auch nicht vor Publikum [...]Aber natürlich warten wir sehnlichst darauf, dass es in irgendeiner Form auch wieder vor physischem Publikum weitergehen wird.

Rainer Wolters, Konzertmeister RSB

Anne Ströhler: Wir proben wieder! Aktuell dürfen wir noch nicht vor Publikum spielen, dafür aber ein Konzert, das im Rundfunk übertragen wird. Wie geht es Ihnen und dem Orchester?

Rainer Wolters: Es geht uns verhältnismäßig gut. Wir können immerhin wieder spielen, wenn auch nicht vor Publikum, was natürlich sehr schade für uns ist. Mittlerweile haben wir uns auch an diese unübliche Situation gewöhnt, auch akustisch und atmosphärisch. Aber natürlich warten wir sehnlichst darauf, dass es in irgendeiner Form auch wieder vor physischem Publikum weitergehen wird. Trotz allem: Wir sind voller Hoffnung – und das ist die Hauptsache. Vor allem, wenn ich an die vielen selbständigen Kolleg*innen denke, die überhaupt keine Gelegenheit haben, zu spielen.

Probe zum Konzert am 12. Februar 2021

A.S.: Für die Musiker*innen im Orchester hat sich unter anderem die Hörsituation verändert es gibt Einzelpulte, der Abstand untereinander ist größer. Gewöhnt man sich daran?

R.W.: Natürlich war es erst mal ein kleiner Schock, weil man das Gefühl hat, keinen Anschluss untereinander zu haben. Aber es hat andere Sinne geweckt. Selbstverständlich ist das subjektiv,  aber ich glaube es, geht den meisten Kolleg*innen so, weil man jetzt mehr darauf achten muss, dass diese fehlende Verbindung durch ein intensives Aufeinanderhören kompensiert wird. Wir haben eine andere Art von Zusammengehörigkeit gefunden, die durchaus später auch nützlich sein wird, wenn wir wieder im „normalen“ Spielbetrieb sind.  

Probe zum Konzert am 12. Februar 2021

A.S.: Das Orchester spielt jetzt viele Werke, die kammermusikalisch besetzt sind. Wie groß ist der Unterschied zum sonstigen Repertoire?

R.W.: Wir lernen jetzt Literatur kennen, die wir sonst eher selten oder gar nicht spielen. Ich finde es in jedem Fall interessant und auch nützlich für die Zukunft, auch auf diese Weise zu musizieren. Das Repertoire für Kammerkonzerte ist riesig und herrlich, wirklich schön. Und wir machen somit aus der Situation das Beste.

A.S.: Vielen Dank für das Gespräch! Wir freuen uns schon auf das morgige Konzert, das um 20.03 Uhr auf Deutschlandfunk Kultur übertragen wird.

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