Frank Strobel © Kai Bienert
Mo 22. März 2021 - 21.05 Uhr | Deutschlandfunk

Tango Nuevo!

Übertragung auf Deutschlandfunk am 22. März 2021 um 21.05 Uhr

Konzert zu Ehren des 100. Geburtstages von Astor Piazzolla mit Frank Strobel und Per Arne Glorvigen

Sinfoniekonzert Konzertübertragung

Programm

Astor Piazzolla „Fuga y Misterio“

Igor Strawinsky Tango (Orchesterfassung)

Astor Piazzolla Tres Tangos für Bandoneon, Klavier, Harfe, Schlagzeug und Streichorchester

Alfred Schnittke Polyphonischer Tango für Kammerorchester

Astor Piazzolla Konzert für Bandoneon, Klavier, Harfe, Schlagzeug und Streichorchester („Aconcagua“)

Astor Piazzolla „Fuga y Misterio“

Besetzung

Frank Strobel - Dirigent

Per Arne Glorvigen - Bandoneon

Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin

Konzert mit

Astor der Große

Am 11. März 1921, mithin vor fast genau 100 Jahren, wurde im argentinischen Mar del Plata Astor Piazzolla geboren. Der Meister des Tango nuevo steht heute wie kein Zweiter für den Aufbruch des Tangos in die Moderne, in Deutschland nicht zuletzt seit seinem persönlichem Auftreten 1982 in Berlin.
Beim ersten Zusammentreffen mit seiner zukünftigen Kompositionslehrerin Nadia Boulanger 1954 in Paris verschwieg Piazzolla noch, dass er seit seiner Jugend auf dem Bandoneón Tango gespielt hatte. „In Wahrheit schämte ich mich, ihr zu sagen, dass ich Tangomusiker war, dass ich in Bordellen und Kabaretts von Buenos Aires gearbeitet hatte. Tangomusiker war ein schmutziges Wort im Argentinien meiner Jugend. Es war die Unterwelt.“ Der traditionelle argentinische Tango war jene Musik, zu der um 1865 die Prostituierten in den Slums von Rio de la Plata und in den Hafenvierteln von Buenos Aires ihre Körper zur Schau gestellt hatten. Nadia Boulanger ermutigte Piazzolla, sich auf seine Tango-Wurzeln zu besin­nen. In Astor Piazzollas Tango nuevo finden sich Elemente der Pop-Musik und des Jazz ebenso wie Neo-Barockes à la Bartók oder Strawinsky. Die Authentizität bleibt, dank der rückhaltlosen Ehrlichkeit, der eben nicht folkloristisch weichgespülten und nicht dem Mainstream angepassten, rauen Gangart.

 

Vom „Zerrwanst“ zum Kultinstrument – das Bandoneón

Fast 7000 Meter hoch erhebt sich der Aconcagua über dem Meeresspiegel. Der höchste Berg Amerikas ist zugleich der höchste Berg der Erde, der nicht zum Himalaya-Massiv gehört. Der Berg der Superlative in den argentinischen Anden stiftet eine Art subkontinentaler Identität für Südamerika. Er steht als Namenspatron Pate für ein Bandonéon-Konzert von Astor Piazzolla. Das Tangoinstrument Bandoneón, blickt mittlerweile auf eine 175-jährige Geschichte zurück. Es hat sich um 1846 aus der sogenannten Konzertina entwickelt, einem Instrument, das wie das Akkordeon den Klang mit einem Ziehblasebalg sowie mit Hilfe eines Knopfsystems erzeugt. Der Name weist auf die deutschen Ursprünge hin: auf den Instrumentenmacher Heinrich Band aus Krefeld. Bandoneons wurden im Rheinland und im Erzgebirge hergestellt und gelangten mit europäischen Auswanderern Ende des 19. Jahrhunderts nach Argentinien und ins benachbarte Uruguay.
Als Astor Piazzolla am 4. Juli 1992 in Buenos Aires starb, hatte er mit Gerry Mulligan, Grace Jones, Mstislaw Rostropowitsch und dem Kronos Quartet zusammengearbeitet. Er hinterließ mehr als 300 Tangos, diverse Filmmusiken, sinfonische Konzerte und Ballettkompositionen, insgesamt ein Œuvre von rund 1000 Werken. Die internationale Musikszene von Gidon Kremer bis zu Popstars wie Gotan Project ließ sich von ihm inspirieren. Zahlreiche hervorragende, nichtargentinische Bandoneón-Spieler schreiben den Mythos Piazzollas fort – unter ihnen der Norweger Per Arne Glorvigen. Dirigent Frank Strobel stellt im Piazzolla gewidmeten Radiokonzert außerdem „tangohaltige“ Musik von zwei prominenten europäischen Zeitgenossen vor: Schnittke und Strawinsky.

 

Künstler

Frank Strobel

Dirigent

Per Arne Glorvigen © Jonas Haarr Friedstad

Per Arne Glorvigen

Bandoneon

Ticketinfos

Mo 22. März 2021 - 21.05 Uhr Deutschlandfunk

Am 22. März 2021 ab 21.05 Uhr anhören

Mehr entdecken

Alle