Brücken ins Jenseits

Kunst, Musik und Natur auf Friedhöfen

Der Tod setzt unserem Leben eine natürliche Grenze, der jede und jeder Einzelne von uns ausgesetzt ist. Dieser unüberwindbare Dualismus hat Komponistinnen und Komponisten immer wieder zu Werken inspiriert, die dem Tod, der Reise dorthin oder dem Gedenken an Verstorbene gewidmet sind. Einige solcher Kompositionen wie die Totenmessen von Brahms und Verdi , Strauss’ Oper „Frau ohne Schatten“, Enescus Kurzoper „Die Geister“ oder Strawinskys „Chant funèbre“ finden sich auch in unseren Programmen dieser Saison wieder.
Mit dem Evangelischen Friedhofsverband Berlin Stadtmitte und dem NABU Berlin, der uns schon in der letzten Spielzeit begleitet hat, haben wir zwei wunderbare Partner gefunden, die uns ermöglichen, mithilfe von Führungen, Naturbeobachtungen und Musik metaphorische Brücken zwischen dem Diesseits und dem Jenseits zu schlagen: Bei stimmungsvollen Kammerkonzerten und Rundgängen können Sie mit uns die Friedhofsmonumente und die Biotope der Bergmannfriedhöfe im Herzen Berlins entdecken.

Die vier evangelischen Friedhöfe an der Bergmannstraße in Kreuzberg befinden sich seit 2009 in der Trägerschaft des Evangelischen Friedhofsverbands Berlin Stadtmitte. Sie gehören zu den ältesten bis heute genutzten Begräbnisplätzen Berlins und stehen als Gesamtensemble unter Gartendenkmalschutz. In ihren Mauern befinden sich die letzten Ruhestätten bekannter Künstler, Wissenschaftler und Unternehmer, unter ihnen Adolph von Menzel, Martin Gropius, Friedrich Daniel Schleiermacher und Theodor Mommsen. Deren Grabmonumente sind das Vermächtnis bedeutender Bildhauer und Künstler.

Die erste Kooperation mit dem Evangelischen Friedhofsverband findet zu dessen 10-jährigem Bestehen im Rahmen der 1. Kreuzberger Friedhofsnacht statt und liegt noch in der Spielzeit 2018/2019. Gemeinsam mit dem Friedhofsverband und dem NABU Berlin gestalten wir zudem ein Programm zum „Tag des offenen Denkmals“ im Herbst 2019 und eines zum „Langen Tag der Stadtnatur“ im Frühsommer
2020.

Die Konzerte mit RSB-Mitgliedern sind im Rahmen der jeweiligen Veranstaltung bei begrenztem Platzkontingent kostenlos und ohne Voranmeldung zugänglich.

1. Kreuzberger Friedhofsnacht
Freitag, 21. Juni 19, 20 Uhr
Eröffnungskonzert mit dem Streichquintett von Anton Bruckner

am Grabmal Löblich/Liebau auf dem Alten Luisenstädtischen Friedhof
Zugang über Friedhofseingang Südstern 8–10, 10961 Berlin
im Anschluss Lesungen aus den literarischen Hinterlassenschaften von berühmten
Verstorbenen an ausgewählten, illuminierten Grabanlagen

Sehnsuchtsort der Stille und Kinderstube der Artenvielfalt

Friedhöfe sind Orte des Erinnerns, des Schmerzes, aber auch Orte der Liebe und der Stille. Sie bilden Rückzugsräume für Trauernde und gleichzeitig grüne Lebensräume mitten in der Stadt. Zwar lässt man beim Betreten eines Friedhofes Geschäftigkeit und Lärm hinter sich, doch wer genau hinhört, kann mehr als nur Ruhe vernehmen. Es pfeift und trällert, es piepst und tiriliert. Friedhöfe sind natürliche Kleinode, kühle Inseln an heißen Tagen und das Zuhause vieler Tier- und Pflanzenarten. In Berlin nehmen Friedhöfe eine Fläche von etwa 1.400 Hektar ein. Früher lagen sie weit vor den Toren der Stadt, heute sind sie längst als grüne Oasen ins urbane Zentrum der pulsierenden Großstadthektik gerückt und haben über die Jahrzehnte hinweg eine neue ökologische Wertigkeit bekommen. Die Friedhofsgärten an der Bergmannstraße, unweit des Tempelhofer Feldes, weisen eine außerordentliche Artenvielfalt auf. Alte Gemäuer und mächtige Bäume – die Zeitzeugen der sich ständig verändernden Stadt – bieten Vögeln und kleinen Säugetieren einen Lebensraum. Die NABU-Bezirksgruppe Friedrichshain- Kreuzberg erfasst seit einigen Jahren den Vogelbestand auf den Friedhöfen in der Bergmannstraße. Neben den Grabmalen brüten fast 30 Vogelarten und ziehen ihre Jungen auf. Dort wo das Vergängliche, der Tod vorherrschen, entsteht immer wieder neues Leben. Friedhöfe sind Ende, Übergang und Anfang zugleich.

Tag des offenen Denkmals
Sonntag, 8. September 19

14 Uhr Faszination Friedhof
Ein literarisch-kulturgeschichtlicher Spaziergang über den
Friedhof Dreifaltigkeit II
Treffpunkt: Bergmannstraße 42–44, 10961 Berlin

15 Uhr Lebensraum Friedhof
Naturkundlicher Spaziergang des NABU Berlin
Treffpunkt: Friedhofseingang Südstern 8–10, 10961 Berlin

16 Uhr Klangraum Friedhof
Konzert mit RSB-Mitgliedern
Friedhof Friedrichswerder, Wartehalle
Bergmannstraße 42–44, 10961 Berlin

Langer Tag der Stadtnatur
Sonntag, 14. Juni 20

Das Tagesprogramm und die Anfangszeit des Konzertes mit
Franz Schuberts Oktett werden noch bekanntgegeben.
Friedhof Friedrichswerder, Wartehalle
Bergmannstraße 42–44, 10961 Berlin

Das Friedhofscafé Strauss sorgt bei den Veranstaltungen für Ihr leibliches Wohl vor Ort.

Alle Kammerkonzerte des RSB
auf einen Blick

Zu den Konzerten

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