Interview mit Hermann F. Stützer

Hermann F. Stützer ist seit 2011 Mitglied der Kontrabassgruppe des RSB und wurde 2012 mit nur 25 Jahren Solokontrabassist des Orchester.
Seit 2016 betreut er als Mentor die Kontrabassisten der RSB-Orchesterakademie.

Hermann F. Stützer © Bettina Stöß

Warum wolltest du Mentor der Orchesterakademie werden?

Ich habe die Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker durchlaufen und dort unglaublich viel für meinen beruflichen Werdegang als Orchestermusiker gelernt. Außerdem wollte ich immer schon unterrichten und habe in der Rolle als Mentor in der Orchesterakademie eine Chance dazu gesehen. Ich möchte die Erfahrungen, die ich selbst gemacht habe, weitergeben und dabei helfen, die Arbeit in der Akademie zu unterstützen, damit die Akademisten lernen, was das Musizieren im Orchester bedeutet. An der Hochschule beschäftigt man sich viel damit, die Technik aufzubauen und das Repertoire zu erweitern, aber beschränkt sich dabei sehr auf das solistische Spiel. Das Thema Orchester wird meiner Meinung nach etwas vernachlässigt. In der Orchesterakademie geht es darum, ein Gespür für das Spiel im Ensemble zu bekommen, besonders was Klang und Präzision angeht, denn man muss mit dem gesamten Orchester agieren und nicht nur alleine. Darüber hinaus finde ich unsere Workshops zu verschiedenen Themen wichtig, weil man noch detaillierter auf Fähigkeiten, wie z.B. Strichtechniken, Artikulation oder Programmgestaltung eingehen kann.

Wie läuft eure Arbeit ab?

Generell bereiten wir im Einzelunterricht die Werke vor, die in den nächsten Diensten zu spielen sind, erarbeiten gemeinsam anspruchsvolle Stellen und sprechen über Bedeutung und Aufbau des jeweiligen Werkes. Das ist für das Verständnis und die richtige Darbietung einer Komposition äußerst wichtig. Außerdem widmen wir uns der Probespielvorbereitung, also der Erarbeitung der dort geforderten Orchesterstellen und Solokonzerte. Da kann man als Mentor wichtige Erfahrungen weitergeben: Wie bereite ich mich mental vor, was kann ich tun, damit meine Nervosität mein Spiel nicht beeinflusst?

Manchmal beschränken sich die Unterrichtseinheiten auf das rein strukturierte Arbeiten. Doch meistens sind diese auch durch Spaß und Freude am Musizieren geprägt. Durch die Beobachtung als Lehrender von außen ist es manchmal einfacher, ein Problem zu lösen. Als Mentor kann man aus diesen Situationen selbst viel lernen.

Sprechen sich die Mentoren untereinander ab?

Was den Einzelunterricht angeht, so ist der Austausch eher gering, weil es für jede Instrumentengruppe spezielle Anforderungen gibt. Für Kammermusik und Workshops sammeln wir alle Ideen, denn manche Dinge lassen sich im Einzelunterricht nicht vermitteln, sondern nur im gemeinsamen Zusammenspiel.

Hast du ein Lieblingserlebnis aus deiner bisherigen Mentorenzeit?

Es ist einfach immer wieder toll, wenn man neue Akademisten kennenlernt und mit ihnen eine individuelle Arbeitsbasis findet. Ich erinnere mich an einen Akademisten, der musikalisch schon einen sehr weiten Horizont hatte, das war auch für mich äußerst bereichernd. Ein besonderer Moment als Mentor ist, wenn man etwas bespricht und die Person gegenüber es direkt versteht und umsetzen kann. Spannend war für mich, 2017 zum ersten Mal das Kammerkonzert der Akademisten mit zu betreuen und somit alle Streichinstrumente zu unterrichten. Ich habe versucht, den jungen Musikerinnen und Musikern eine besondere Sensibilität, beispielsweise in den Bereichen Klang und Zusammenspiel, zu vermitteln, wofür sie teilweise noch nicht die nötige Erfahrung hatten. Man muss aufeinander reagieren und zusammen die Musik fühlen. Besonders diese Fähigkeiten brauchen wir auch im Orchester, deshalb sind die Akademiekonzerte pädagogisch so wichtig.

Warum sollten sich junge Musikerinnen und Musiker auf einen Akademieplatz bewerben?

Ich kann nur jeden ermutigen, sich auf einen der begehrten Plätze zu bewerben. Ich glaube, dass die Akademiezeit in der Entwicklung eines jungen Musikers bis hin zum Profi ein essentieller Baustein ist, um die Ganzheit der Künstlerpersönlichkeit zu formen. Im Studium ist einfach zu wenig Zeit dafür.

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