Interview mit Anne Mentzen

Anne Mentzen spielt tiefes Horn im RSB.
Neben ihrem Orchesterdienst engagiert sie sich bei Musikvermitlungsprojekten und ist in fast jeder Spielzeit als Kammermusikerin zu erleben.

Hornistin Anne Mentzen
Anne Metzen © Bettina Stöß

Worin liegt für dich der Reiz, regelmäßig Kammermusik zu machen?

Im groß besetzten Orchester haben wir Bläser ja nicht immer viel zu tun. In der Kammermusik sind wir mehr zu hören und haben oft sehr schöne Soli zu spielen. Außerdem macht es große Freude, sich gemeinsam mit den Kollegen auf die Programme vorzubereiten.

Und natürlich gibt es einfach wunderschöne und interessante Kammermusik. Ich freue mich zum Beispiel sehr, in dieser Saison das Beethoven-Sextett spielen zu können.

Das RSB sucht sich immer wieder spannende Räume für die Kammermusik, die aber nicht als Konzertsaal konzipiert sind. Was birgt das für Herausforderungen?

Da ist vor allem die Akustik, die manchmal nicht so einfach ist, wie in anderen Räumen. Zum Beispiel im Naturkundemuseum war es damals sehr hallig und wir hatten Probleme, die Akustik für uns zu nutzen. Trotzdem lohnt es sich in den meisten Fällen, an solchen Orten zu spielen – für das Konzerterlebnis in seiner Gesamtheit. Man muss teils klangliche Abstriche machen, aber die Atmosphäre der Räume macht das wieder wett.

Als Hornistin spielst du ein bekanntermaßen relativ schwer zu beherrschendes Instrument. Kommt das bei der Kammermusik noch mehr zum Tragen?

Wenn das Horn als relativ schwer zu beherrschendes Instrument bezeichnet wird, gilt das sowohl für die Kammermusik als auch für das Orchesterspiel. Jeder Musiker ist bei der Kammermusik aber allein durch die Größe des Ensembles viel präsenter und wird dadurch auf andere Art gefordert. Das bringt einen auf dem Instrument immer wieder voran.
Unsere Oboen-Kollegin Gudrun Vogler hat es für mich einmal sehr passend ausgedrückt: „Kammermusik spielen ist wie Zähne putzen auf dem Instrument!“
Im Orchester muss sich jeder in den Gruppenklang einfügen, in der Kammermusik dagegen hat der einzelne Spieler mehr Freiheiten.

Du spielst oft im Ensemble „Samtblech“ mit RSB-Blechbläser-Kollegen. In der Saison 2018/2019 bist du nun in zwei Programmen mit einem anderen Horn, Streichern und Holzbläsern zu hören. Macht das für dich einen Unterschied?

Wenn wir mit den Blechbläserkollegen zusammen spielen, haben alle Instrumente die gleiche Ansprache und sind auch von der Lautstärke und zum Teil von der Klangfarbe her ähnlich. Mit Streichern und Holzbläsern müssen wir uns in lauten Passagen etwas mehr zurückhalten, damit wir sie nicht übertönen. Dafür ist es toll, mit anderen Instrumenten zusammen zu spielen und miteinander musikalisch in einen Dialog zu treten. Vom Repertoire her gibt es in unserer Literatur mit Streichern auch früher entstandene Werke, zum Beispiel von Mozart oder Beethoven, die ja ansonsten keine Kammermusik für Blechbläser geschrieben haben.

Ziehst du aus der kammermusikalischen Tätigkeit Vorteile für deine gesamte künstlerische Entwicklung?

Auf jeden Fall. Zum einen haben wir durch die von uns jährlich eingereichten Vorschläge selbst Einfluss auf die Auswahl der gespielten Werke und können beim Zusammenstellen von Programmen mal in die Rolle eines Dramaturgen schlüpfen. Zum anderen ist es sehr inspirierend, mit den Kollegen gemeinsam an Stücken zu arbeiten und aus den manchmal verschiedenen Ansätzen eine gemeinsame Interpretation zu entwickeln.

Was war bisher dein schönstes RSB-Kammerkonzert?

Das „Samtblech“-Konzert im Naturkundemuseum: Das Spielen mit den Blechbläsern und vor allem der Tuba unter diesen großen, unheimlich alten Dinosaurierskeletten war einfach wunderbar und eindrucksvoll!

 

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