Hauchen und Hämmern

Backstage
Geschrieben von Steffen Georgi
am 24. Februar 2021

Schostakowitsch und Prokofjew aus erster Hand

„Warum diese Metronomzahl? Das ist sehr schnell, unmöglich schnell, sagte ich. Und Schostakowitsch antwortete: Ich weiß, aber ich wollte nicht, dass es jemand zu langsam spielt.“ Der Dirigent Michail Jurowski ergänzt immer wieder mit unnachahmlichem Humor den großen Ernst seiner aktuellen Interpretationen beim Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (RSB). Der 75-Jährige verfügt über die Aura des Authentischen, wenn er von dem Komponisten Dmitri Schostakowitsch spricht, mit dem er als junger Mann am Klavier vierhändig gespielt hat. Michails Vater, der Komponist Vladimir Jurowski, gehörte zu den wenigen Weggefährten von Schostakowitsch, mit denen der scheue Künstler in vertraulicher Atmosphäre privat zusammentraf.

Michail Jurowski bei der Probe mit dem RSB und Anna Vinnitskaya ©RSB

Diese Atmosphäre zeichnet nun auch die Probenarbeit mit dem RSB aus. Fünfzehn Jahre stand der Vater des jetzigen Chefdirigenten des RSB nicht mehr am Pult des RSB, das er zuvor fast fünfzehn Jahre lang regelmäßig als Gastdirigent geleitet hatte. Doch mit den ersten Tönen des zweiten Klavierkonzertes von Schostakowitsch wird klar, dass hier eine tiefe innere Verbindung wiederbelebt und fortgesetzt wird. Die wohlwollend hochachtungsvolle Aufmerksamkeit auf  beiden Seiten sorgt schnell für präzise und berührende Klangerlebnisse bei der detailgenauen Einstudierung der Partituren von Schostakowitsch und Prokofjew.

Mit schelmischem Blitzen in den Augen lässt sie es poltern und krachen auf dem Klavier – um die schönsten Momente der langsamen Sätze desto stärker davon abzuheben.

Anna Vinnitskaya, Pianistin
Anna Vinnitskaya am Klavier © RSB

„Mit dem Bogen kratzen wie mit einer harten Bürste“ oder „das darf böse und leise sein“, schmunzelt Jurowski, um gleich darauf ein albernes Kichern in der Musik nachzuahmen und als Tipp für die Musiker*innen hinzuzufügen: „… hier gern ein bisschen idiotisch spielen“. Eine Aufforderung, die sich auch die Solistin Anna Vinnitskaya nicht zweimal sagen lässt.

Am Freitag, 26. Februar 2021, 20.03 Uhr, live auf Deutschlandfunk Kultur!

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