MONTE-CARL0 ZU GAST BEIM RSB
Janowski dirigiert die „Gurre-Lieder“
Alle Vögel sind schon da
Von Frederik Hanssen
Arnold Schönberg ist der Angstgegner des klassischen Konzertpublikums. Dabei wissen die Wenigsten, dass der Musikrevolutionär und Erfinder der Zwölftontechnik am Anfang seiner Karriere hyperromantisch komponiert hat. Gipfelpunkt seiner frühen, tonalen Periode sind die zwischen 1900 und 1903 entstandenen „Gurre-Lieder“, ein 115-minütiges Mammutwerk, das sich der Mittzwanziger monumentaler wünschte als die Tondichtungen von Strauss, schillernder als die Sinfonien Mahlers. Es geht, in symbolistisch raunenden Versen, um die Liebe zwischen Waldemar und Tove, um Todessehnsucht und Naturmystik. „Die Empfindung dieses brausenden Klangs regt mich auf zum Vergehen“, kommentierte Schönbergs Freund und Kollege Anton Webern das Ergebnis.
Um diesen Gipfelpunkt des musikalischen Jugendstils mal wieder in der deutschen Hauptstadt präsentieren zu können, hat Marek Janowski jetzt zwei Orchester zusammengeführt, deren Geschicke er als Chefdirigent lenkt: Am Samstag wird in der Philharmonie sowohl das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin auf der Bühne Platz nehmen als auch das Orchestre philharmonique de Monte-Carlo. Dazu kommen der Rundfunkchor Berlin, der MDR- Chor sowie die Solisten Eva-Maria Westbroek, Petra Lang, Stephen Gould, Kwangchul Youn, Arnold Bezuyen und François Le Roux.
Ab 17.45 Uhr wird im Curt-Sachs-Saal des Musikinstrumentenmuseums neben der Philharmonie die Neuausgabe der „Gurre-Lieder“-Partitur präsentiert, um 18.45 Uhr schließt sich dann im Südfoyer der Philharmonie eine Werkeinführung mit Steffen Georgi an.