Marek Janowski dirigiert Wagner kompakt
Von Sebastian Blottner
Richard Wagner hat nicht einfach komponiert, nein, er hat gigantische klingende Drehbücher geschaffen, die das Weltendrama an sich verwirklichen sollten. Der fortlaufende Handlungsstrang ist eine unendliche Melodie, deren Szenen und Schnitte Wagners berühmte Leitmotive sind. Am zweiten "Wagner kompakt"-Abend in der Philharmonie ließ Marek Janowski gleichsam Wagners Musik und sein Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin aufblühen.
In der Ruhe liegt bei ihm die Kraft und, mehr noch, die Klarheit. Nirgendwo kleistert er die Klangstrukturen zu. Ob Bläser oder Streicher, von gehauchten Einzelstimmen über majestätische Klanggewölbe bis hin zu den rasselnden Eruptionen eines opulent besetzten Podiums - Janowskis Regiestil bleibt bei aller Farbigkeit immer durchsichtig. Er behält sämtliche Teilstimmen im Blick, die die musikalische Summe bilden, zoomt nicht unnötig im Orchester umher, sondern erfasst das Wesentliche aus der Totale.
Neben Szenen aus der "Götterdämmerung" und dem zügigen Karfreitagszauber aus "Parsifal" wurden die fünf Wesendonk-Lieder für Frauenstimme und Orchester aufgeführt, in denen Wagner Gedichte seiner Geliebten Mathilde Wesendonk vertont hat und die er als Vorstudien für seinen "Tristan" ansah. Mit ihrer in den höchsten Lagen samtweichen Stimme reicherte die Sopranistin Anke Vondung den Liederzyklus mit einem Erlösungspathos an, der ganz im Wagnerschen Sinne ist.
Elizabeth Connell sang die dramatischen Partien Brünhildes aus der "Götterdämmerung", und ihr gelang trotz der konzertanten Aufführung eine Sing-Darstellung im allerbesten Sinne. Die standing ovations für das relativ kurze Konzert galt allen Mitwirkenden des Abends.
Berliner Morgenpost, 06. Februar 2007