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RSB | Aktuelles_alt | RSB in der Presse | 2006 | Janowskis Kunst ist für Berlin unentbehrlich

Janowskis Kunst ist für Berlin unentbehrlich

Janowskis Kunst ist für Berlin unentbehrlich

Von Klaus Geitel

Der nächste Berliner Kulturskandal bahnt sich an. Als am Wochenende beinahe beiläufig bekannt wurde, dass Marek Janowski sein Rundfunk-Sinfonieorchester in absehbarer Zeit ohne Angabe von Gründen verlassen würde, witterten feinere Nasen schon Unheil. Offenbar regiert jemand an den zahlreichen Schreibtischen der Rundfunk-Orchester und -Chöre GmbH (ROC) gegen Janowski. Das sollte er bleiben lassen. In seinem jüngsten Konzert in der Philharmonie hat Janowski sich wieder als rechtmäßiger Hausherr des allgemeinen Jubels gezeigt. Seine Kunst, seine Persönlichkeit sind Berlin unentbehrlich.

Wie glänzend sich das Orchester unter seiner Hand entwickelt hat und sich nun musikalisch artikuliert, bewies es gleich anfangs mit den Sechs Stücken op.6 von Anton Webern, deren Mini-Kosmos sich faszinierend darbot. Nicht minder Richard Straussens Sterbemusik von "Tod und Verklärung" mit ihren dramatischen Auf- und Abschwüngen bis zur zarten Gloriole am Ende.

Dennoch - das schier einmalige Erlebnis des Abends stand eine glücklich geschlagene Stunde lang ganz am Schluss. Janowski dirigierte den 1. Akt der "Walküre" von Richard Wagner, als wolle er beiläufig allen Diskussionen um die endlos kakofonisch dahertönende Opernstiftung den Todesstoß geben. Oper - ein für allemal konzertant. Das war offenkundig seine Devise, und um sie zu realisierten hatte er die ausgezeichnete Camilla Nylund als Sieglinde und Kwangchul Youn als Hunding mitgebracht. Im Siegmund des österreichischen Tenors Nikolai Schukoff hat der triumphal gefeierte Rolando Villazón seinen kongenialen Gegenspieler im Wagner-Fach gefunden. Berlin hat unter Janowski den internationalen Singhelden des kommenden Jahrzehnts kennengelernt.

Berliner Morgenpost, 19.12.2006

 

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