Bartóks aus Holz geschnitzte Liebestragödie
Von Klaus Geitel
Das einstündige Tanzspiel vom "Holzgeschnitzten Prinzen", 1917 in Budapest uraufgeführt, lebt dahin wie im Versteck: Teil der Trilogie des Geschlechterkampfes, in dem Bela Bartók unnachgiebig gegen die Frauen zu Felde zieht. Zuerst in "Herzog Blaubarts Burg", dann im "Wunderbaren Mandarin". Den "Holzgeschnitzten Prinzen" hatte im Konzerthaus nun das Rundfunk-Sinfonieorchester unter dem tatkräftigen Martyn Brabbins aufs Programm gesetzt. Das Werk gehört aber auf die Bühne.
Man muss sehen, was Bartók musikalisch erzählt, sonst rätselt man an der aufwendigen, kunstreichen Partitur und ihrer Erzählfreude herum. Die Natur selber drückt immer wieder rauschhaft ins Spiel und beteiligt sich an der Liebestragödie, in der sich eine vor Hochmut annähernd blinde Prinzessin den Prinzen, er sie bis zum Irrsinn liebt, übersieht und der Anziehungskraft einer hölzernen Prinzenpuppe verfällt. Sie wird hart und erbarmungslos dafür bestraft. Manche Märchen gleichen nun einmal der Hölle.
Da war es schon bezaubernd, vorweg das Klavierkonzert G-Dur von Ravel gehört zu haben, mit Philippe Bianconi als charmantem Solisten, der sich glänzend auf den unterhaltenden Charakter des Werkes verstand. Dieser Absicht machte aber der 2. Satz einen sanften Strich durch die Rechnung. Das Adagio spielt sich dem munteren Fingertreiben der Einleitung wie des Schlusses auf und davon. Damit war der Höhepunkt des Konzerts bereits erreicht.
Begonnen hatte er mit einer Novität: der sinfonischen Nachdichtung eines der "Vier Quartette" von T.S. Eliot, das der damals erst 23-jährige Thomas Adès komponiert hat. "All shall be well" meint es poetisch und ganz zu Recht, aber noch mit sparsamer Suggestivkraft.
Berliner Morgenpost, 31. Oktober 2006