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RSB | Aktuelles_alt | RSB in der Presse | 2006 | Bach, Bären und Bojaren bei Michail Jurowski

Bach, Bären und Bojaren bei Michail Jurowski

Bach, Bären und Bojaren bei Michail Jurowski

Von Volker Tarnow

Mit zwei Werken diesen Kalibers kommt man schnell auf die Siegesstraße: Sofia Gubaidulinas Violinkonzert "Offertorium", oft gespielt und immer wieder bewundert, stand neben Alexander Borodins 2. Symphonie, fast überhaupt nicht mehr gespielt und deswegen umso mehr zu bewundern. Das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin pflegt seit langem die russische Tradition, wobei es sich gern vergessener Meisterwerke annimmt. Michail Jurowski ist dabei stets ein Garant des Erfolgs.
Im Violinkonzert regelte er souverän die Klänge auf verkehrspolizeiliche Art; so konnte das "Offertorium", in dem Gubaidulina das königliche Thema aus Bachs "Musikalischem Opfer" variiert, seine eigenwillige Rhythmik und vor allem seine radikal persönliche musikalische Rhetorik voll entfalten. Vadim Gluzman meisterte den virtuosen, extrem expressiven Solopart ohne alle Aufdringlichkeit, gefiel auch durch seinen warmen, mahagonifarbenen Geigenton ungemein. Unmöglich, von diesem streckenweise gewaltigen und in melancholischen Meditationen endenden Werk nicht ergriffen zu werden!
Auch Borodin packt einen, aber mehr auf die handgreifliche Art. Heldensymphonie hieß seine Zweite früher, aber seit Helden außer Mode kamen, wird dieser Titel nicht mehr genannt. Sie vereint Bärenstärke mit alter Bojarenherrlichkeit auf beeindruckende Weise. Schade, dass er nicht instrumentieren konnte; die acht Kontrabässe rumorten fürchterlich durchs Konzerthaus. Ein Manko, das der geniale Dilettant Borodin mit seinen Themen und einer aufs Grandiose zielenden Konzeption spielend überblendet.

Berliner Morgenpost, 26. September 2006

 

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