waiHintMenu

waiHintSubMenu

RSB | Aktuelles_alt | RSB in der Presse | 2006 | Kanonenkugeln und erstarrte Masken

Kanonenkugeln und erstarrte Masken

Kanonenkugeln und erstarrte Masken

Von Carsten Niemann

Auf harmonisch gegliederten Säulen ruht ein Fries mit hübsch geschichteten Kanonenkugeln, unter freundlichen Hoffenstern hängen erstarrte Masken sterbender Krieger. Eine paradoxe, dissonante Schönheit ist es, die der Schlüterhof des Deutschen Historischen Museums ausstrahlt. Für den aufmerksamen Betrachter spannt sie jäh einen Bogen in die Moderne. Schon darum war es eine gute Idee des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin, die bevorzugte Spielstätte des Konzerthauses zu verlassen. Für ein Himmelfahrtsfestival vertauschte man den nostalgischen Pomp des Musentempels am Gendarmenmarkt mit dem Schlüterhof.
Einen intensiven Dialog liefern sich der historische Raum und das moderne Klassikensemble beim Abschlusskonzert: In Witold Lutoslawskis Doppelkonzert für Oboe und Harfe füllt ein voll und warm und rein intonierendes Kammerorchester den Hof mit saftig-herben Pizzicati und engagiertem Schlagzeugeinsatz. Die Solisten Marie-Pierre Langlamet und besonders der Oboist Albrecht Mayer gestalten ihre atonalen Parts derweil mit einer schmerzlichen Lust an dissonanter Schönheit, die mit Schlüters Masken harmoniert. Etwas weniger günstig als die durchsichtigen Strukturen Lutoslawskis vermählen sich die Sinfonien Haydns mit dem Hof. Dies liegt zum einen an einer Akustik, die trotz überdachter Bühne und etwas nüchterner Stellwände noch etwas zu sehr hallt. Doch auch in der ursprünglich als Theatermusik konzipierten Sinfonie Nr. 60 hätte Marek Janowskis Dirigat, statt sich auf klassische Ausgewogenheit zu konzentrieren, stärker von der barocken Dramatik der Kriegermasken inspiriert sein dürfen.

Der Tagesspiegel, 30. Mai 2006

 

Abo-Konzert
Do 09.09.2010 | 20.00 Uhr
Philharmonie Berlin, Großer Saal Berio, Strawinsky, Strauss » mehr
Familienkonzert
So 28.11.2010 | 16.00 Uhr
Lieben oder Streiten?
Ein Romeo-und-Julia-Programm
für Kinder mit Musik von
Tschaikowsky, Berlioz, Bernstein u.a. » mehr

zum Herunterladen

© Steffen Georgi
» mehr