Klanggewitter unter der Domkuppel
Berlioz-Requiem unter Marek Janowski
von Torsten Roeder
‘Drohte man mir mit der Verbrennung meiner gesamten Werke’, so Hector Berlioz in seinen Memoiren, ‘so würde ich für eine Partitur, die Grande Messe des Morts, um Gnade bitten.’ In der Tat zählt sein Requiem zu den Monumentalsten seiner Schöpfungen, und so ist es überhaupt nicht widersprüchlich, wenn diese Totenmesse gerade an seinem Geburtstag aufgeführt wird, der sich am 11. Dezember 2003 zum 200. Mal jährte. Für die Aufführung im Berliner Dom traten zwei Orchester und zwei Chöre an, namentlich das Orchestre Philharmonique de Monte-Carlo, das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, der Rundfunkchor Berlin und der MDR-Chor Leipzig. Der ehrenwerte Marek Janowski fiel die gewaltige Aufgabe zu, diesen monströsen Klangkörper aus mehr als 350 Musikern zu dirigieren.
Die akustische Disposition des Doms begünstigte vor allem die Chorstimmen, die wie weit entfernt aus dem Kuppelgewölbe hervorklangen, wie es gleich im ‘Requiem et Kyrie’ zu hören war. Deklamatorische Genauigkeit bewies der Chor besonders im ‘Quaerens me’. Dazu koordinierte Janowski die einzelnen Orchestergruppen derart präzise und führte die Tempi so diszipliniert, dass es – im Rahmen des Möglichen – kaum zu Verwischungen kam, wenn man von dem eher undurchsichtigen ‘Lacrimosa’ absieht. Spektakulär gelang Janowski vor allem die Abstimmung der auf mehrere Emporen verteilten Bläsergruppen im ‘Dies irae’ und die dynamischen Wendungen im ‘Rex tremendae’. In der Nachwirkung dieser Klangmacht, die die Fundamente des Doms erzittern ließ, gingen die unmittelbar folgenden Teile fast unter. Gegen Schluss des Werkes kamen besonders die Männerstimmen zum Einsatz, so der Chor im wundervollen ‘Hostias’ und der Tenor Daniil Shtoda im vielleicht schönsten Satz, dem ‘Sanctus’. Besonders Shtoda vollbrachte mit kraftvoller, weitreichender Stimme eine bemerkenswerte Leistung. Janowskis höchste Konzentration trug in jedem Moment zu der Spannung bei. Nach dem Ausklang des Werkes konnten die Musiker lang anhaltenden Beifall für dieses erhabene Jubiläumskonzert entgegennehmen.