Griff nach den Sternen
von Ulrich Pollmann
Olivier Messiaen liebte die Berge, oft zog er sich zum Komponieren in die Alpen zurück. Ob der strenggläubige Komponist morgens aus dem Fenster guckte, um zu sehen, ob sein Glaube Berge versetzen kann, ist nicht überliefert. Besonders angetan hat es ihm jedenfalls der Bryce Canyon im amerikanischen Utah. In seinem Orchesterwerk „Des canyons aux étoiles“ (Von den Canyons zu den Sternen) verwebt Messiaen seine Eindrücke der gewaltigen Schluchten mit religiösen Vorstellungen von Unendlichkeit und Auferstehung. Das Orchester besetzt er mit reichlich Bläsern und Schlagzeug nebst Soloklavier, aber wenig Streichern. Es entwickelt so, der Streicherfülle beraubt, einen glasklaren, direkten, geradezu harten Klang, vom Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter Marek Janowski im Konzerthaus ausbalanciert in Szene gesetzt. Umrankt werden diese Bildnisse absoluter (und sehr katholischer) Glaubensinhalte von vielfältigen Vogelstimmen, die Messiaen mit ornithologischer Sorgfalt studiert hat. Jean-François Heisser lässt sie elegant über die Tasten gleiten. Leider reißt er am Ende jeder Phrase manieriert die Hände vom Klavier und verleiht ihnen so einen Expressionsgestus, der schnell ermüdet und nicht zum Werk passt.