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RSB | Aktuelles_alt | RSB in der Presse | 2008 | Fernab aller Routine

Fernab aller Routine

Fernab aller Routine
Stargeiger Frank Peter Zimmermann beim Rheingau Musikfestival

 
Von Axel Zibulski

Wiesbaden. Nach den Paukenschlägen, die Ludwig van Beethovens Violinkonzert D-Dur op. 61 eröffnen, weiß man in der Regel, in welche Richtung eine Interpretation sich wendet. Klingen sie insistierend und markant, lässt sich eine dramatisch aufgeladene Wiedergabe erwarten. Werden sie aber, wie jetzt beim Konzert des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin im Wiesbadener Kurhaus, eher weich und verhalten gespielt, darf man sich auf eine eher lyrische Auslegung einstellen. Und in dieser Hinsicht zeigten sich Dirigent Marek Janowski und Solist Frank Peter Zimmermann bei ihrem Auftritt im Rahmen des Rheingau Musik Festivals erfreulich einig.

Wie häufig der 1965 geborene Geiger Beethovens Repertoire-Klassiker bereits gespielt haben mag: An bloße Routine erinnerte Frank Peter Zimmermanns Interpretation von Beethovens einzigem Violinkonzert keinen Augenblick. Natürlich kann er sich auf vieles verlassen, auf seine exzellente Technik, auch auf den Klang seiner Stradivari, der in der Tiefe besonders rund und voll ist und daher mit der ähnlich tiefenscharf ausgerichteten Prägung des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin ideal korrespondierte. Darüber hinaus gab es aber auch Momente, in denen sich ein besonders aufmerksames Hinhören lohnte, etwa als im langsamen zweiten Satz die Streicher sich zu hochfeinen Pizzicati auflichteten, oder auch in der Kadenz des Finalsatzes, die Zimmermann wie eine plötzlich auftrumpfend-zackige Schluss-Pointe anlegte. Abwechslung, Spannung und melodische Intensität prägten damit nicht nur die mitgestaltende Begleitung durch das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, sondern auch Zimmermanns Interpretation, der er keine Zugabe folgen ließ.

In dieser Hinsicht freigebiger waren Marek Janowski und das Orchester, dessen Chefdirigent er seit 2002 ist, nach der Aufführung der Tondichtung "Also sprach Zarathustra" op. 30 von Richard Strauss. Auch über die bekannte Einleitung hinaus gab es hier viel Raum zur glücklichen musikalischen Inszenierung: Der Konzertmeister bot sie mit einem an Tempo-Kapriolen und Schmelz reichen "Tanzlied"-Solo, die Berliner Bläser inszenierten sich als machtvoll strahlende Konstante des Orchester-Klangs, und nicht zuletzt kam auch die von einsatzfreudigen Händen gepflegte Kurhaus-Orgel zum optisch wie akustisch wirkungsvollen Einsatz. Mit Bizets "Farandole" und dem Vorspiel zum dritten "Meistersinger"-Aufzug bedankten sich die Musiker für starken Applaus.

Wiesbadener Kurier vom 22.08.2008

 

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