Profis fallen nicht vom Himmel
Von Familienkonzerten bis hin zur professionellen Musikerausbildung in der Orchesterakademie, von Mitmachangeboten für Kinder im Grundschulalter bis zur Betreuung anspruchsvoller fächerübergreifender Eigenkreationen von Jugendlichen reicht das Spektrum des Bildungsangebotes beim Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin. Die Orchestermitglieder engagieren sich seit vielen Jahren in der Musikvermittlung für Kinder und Jugendliche. Sie organisieren Workshops, Probenbesuche und Schülerprojekte, besuchen Schulen und Kindergärten, probieren Instrumente mit den Kindern aus und entwerfen eigene Programme für das junge Publikum. Um ein Stipendium der Orchesterakademie des RSB hingegen bewerben sich Absolventen von internationalen Musikhochschulen.
Orchesterakademie
für professionellen Nachwuchs
Seit der Gründung der Orchesterakademie im Jahre 2002 fördert das RSB intensiv musikalischen Nachwuchs. Die Orchesterakademie ist ein Ausbildungsprogramm, das angehenden Musikern den Übergang vom Studium zum Beruf erleichtern soll und junge hochqualifizierte Instrumentalisten auf ihre zukünftige Tätigkeit in einem Berufsorchester vorbereitet. Daher ist die Arbeit im Orchester wesentlicher Bestandteil der Ausbildung. Die Akademisten können in den Proben, Konzerten und bei der Studioarbeit von ihren erfahrenen Pultnachbarn und von der Zusammenarbeit mit renommierten Dirigenten profitieren. Jeder Stipendiat wird persönlich von einem Mentor aus den Reihen des Orchesters betreut. In speziellen Workshops vermitteln geladene Dozenten weitere relevante Themen aus Theorie und Praxis. Einmal im Jahr spielen die Akademisten mit ihren Mentoren ein gemeinsames Kammerkonzert. Sie erhalten während ihrer zweijährigen Ausbildung monatlich ein Stipendium. Die Auswahl für die begehrten Plätze erfolgt durch ein Probespiel.
Patenorchester des RSB
Deutsche Streicherphilharmonie
60 engagierte Musikerinnen und Musiker im Alter von 13 bis 19 Jahren bilden die Deutsche Streicherphilharmonie. Sie kommen aus den Musikschulen in ganz Deutschland und haben sich unter den Besten ihres Faches über ein Probespiel qualifiziert. Das Ensemble, 1973 als Auswahl-Streichorchester der Musikschulen der DDR gegründet und unter dem Namen Rundfunk-Musikschulorchester zu Bekanntheit gelangt, wurde 1991 mit Unterstützung der Bundesregierung in die Trägerschaft des Verbandes deutscher Musikschulen übernommen. Profilierte Dirigenten wie Herbert Kegel, Wolf-Dieter Hauschild, Max Pommer und Jörg-Peter Weigle (1984 bis 1995) leiteten das Orchester. Hanns-Martin Schneidt übernahm es 1995 bis 2002 und blieb der Streicherphilharmonie als Ehrendirigent verbunden. Seit 2003 setzt Michael Sanderling, neuer Chefdirigent der Dresdner Philharmonie, als Künstlerischer Leiter die Arbeit seiner Vorgänger sehr erfolgreich fort.
Seit mehr als 30 Jahren konzertiert das angesehene Jugendorchester auf deutschen und internationalen Bühnen. Von Beginn an wurde es von Mentoren aus dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin kompetent und leidenschaftlich betreut. Mit der Unterzeichnung einer offiziellen Patenschaftsurkunde hat das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin 2004 sein Engagement für die Deutsche Streicherphilharmonie bestärkt. Die Jeunesses Musicales Deutschland und die Deutsche Orchestervereinigung würdigten diese Kooperation als ein Vorbild für die Beziehungen zwischen Profi- und Jugendorchestern.
Orchester und Schule
Glöwen, Plön und die Karibik
Das RSB hat mehrere Klassen der Grund- und Gesamtschule Glöwen in Brandenburg über einige Schuljahre hinweg in künstlerischen Projekten begleitet. Die Glöwener Schüler kommen in die Orchesterproben und Konzerte, Musiker fahren in die Landschule und stellen Stücke vor.
In den Unterrichtsfächern Musik, Kunst und Deutsch wurden mehrere Schüleraufführungen aus dieser Zusammenarbeit heraus entwickelt und in Berlin vor Publikum vorgestellt.
Eine weitere Patenschaft unterhält das RSB mit dem 2005 gegründeten Jugendsinfonieorchester der Hans-Werner-Henze-Musikschule im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf. An einem gemeinsamen Orchestertag besuchten die Schüler des JSO eine Probe und musizierten anschließend gemeinsam mit den Musikern des RSB Dvor¡áks Amerikanische Suite und die Filmmusik aus „Fluch der Karibik“. 2008 unterstützte das RSB ein Großprojekt des JSO mit der ersten Komplettaufführung seit 1932 von Paul Hindemiths „Plöner Musiktag“ in Marzahn und Berlin-Mitte. Der erfahrene Musikpädagoge und Dirigent Jobst Liebrecht leitete den „Musiktag“, der mit Deutschlandradio Kultur und dem Label Wergo für CD aufgenommen wurde.
Hindemith hatte die pädagogisch orientierten Musikstücke für die Schüler des Internats Plön in Schleswig-Holstein komponiert. Die Kinder und Jugendlichen lernten dabei Hindemiths Kompositionen auf ihren eigenen Instrumenten kennen und spielen.
Feuervogel für Kira-Kinder
Seit dem Sommer 1954 ermöglicht die Prinzessin Kira von Preussen Stiftung bedürftigen Kindern kostenlose Ferien auf der Burg Hohenzollern bei Hechingen. Die ersten Kindergruppen wurden per Luftbrücke aus Berlin eingeflogen. Inzwischen waren schon über 11.000 Kinder auf der Burg. Auf Einladung von Prinz Georg Friedrich von Preussen unterstützt das RSB die Arbeit der Stiftung. 2010 vermittelte der Flötist und Schulbeauftragte des RSB Rudolf Döbler einer Kindergruppe des Malteser-Familiendienstes Neukölln erste musikpraktische Erfahrungen in Improvisationsspielen. Die Ballettmusik „Der Feuervogel“ von Igor Strawinsky stand Pate für ein eigens entwickeltes Stück, das nach einer Woche Probenarbeit gemeinsam aufgeführt wurde.
Am 3. September 2010 spielten Mitglieder des RSB unter Leitung von Marek Janowski Mozarts Gran Partita zugunsten der Stiftung.
Klassenraum und Konzertsaal
Probenbesuche beim RSB
Die Pauke dröhnt, die Geigen flirren, das Blech donnert – es wird laut, wenn in einem großen Sinfonieorchester alle Musiker spielen. Oder auch ganz leise. Bei Probenbesuchen können die Kinder manchmal sogar mittendrin sitzen und erfahren, wie die Musik vibriert auf der Bühne, wie der Dirigent die Musiker aufeinander einschwört und wie aus den Instrumenten der Klang entsteht. Die Orchesterproben des RSB im Haus des Rundfunks in der Masurenallee sind zwar nicht öffentlich, aber neugierige Kinder und Jugendliche sind nach vorheriger Anmeldung beim Schulbeauftragten des Orchesters gern willkommen. Auf Wunsch bereiten Musiker die Schulklassen auf ihren Probenbesuch vor.
Improvisation in der Schule
Was ist Musik? Was kann Musik? Wie entsteht Musik? In kreativen Improvisationsspielen nähern sich die Schüler der 3. und 4. Klassen einer Grundschule in Berlin-Kreuzberg den Geheimnissen eines Orchesters. Ein RSB-Musiker besuchte ein halbes Jahr lang die Klassen, improvisierte und musizierte mit den Schülern, bereitete sie auf einen Probenbesuch beim RSB vor.
Orchestermitglieder des RSB gehen regelmäßig in Schulen und pflegen seit vielen Jahren Musikerpatenschaften. Die Berufsmusiker erzählen von ihrer Arbeit in einem großen Sinfonieorchester, sie stellen ihre Instrumente vor und lassen die Schüler auch selbst auf Instrumenten spielen. In Projektwochen und im Unterricht entwickeln sie gemeinsam mit den Schülern eigene Musikstücke oder szenische Aufführungen.
Die Musiker des RSB sind offen für neue Patenschaften und kreative Schulprojekte. Interessierte Schulen können sich jederzeit gern an den Schulbeauftragten Rudolf Döbler wenden.
Schulbeauftragter Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Rudolf Döbler
education@rsb-online.de