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RSB | Über uns | Solisten 09|10 | Herbert Feuerstein

Herbert Feuerstein

Moderation

Herbert Feuerstein

Herbert Feuerstein -
demütig, bescheiden, ungesellig

"Der Tagesspiegel": „Wie wichtig ist Ihnen das Fernsehen?“ Feuerstein: „Hätten Sie sich auch nur ein bisschen vorbereitet, dann wüssten Sie, dass das Fernsehen in meiner Biografie immer eine Nebenrolle gespielt hat. Erschwerend kommt hinzu, dass ich nicht teamfähig bin. Ich mache alles lieber alleine und traue anderen Leuten nicht mal zu, Briefe richtig einzuwerfen. Damit kommen Sie im Fernsehen nicht allzu weit. Das ist ein Rudelclub. Aber ich freue mich, wenn man mich hin und wieder trotzdem mitmachen lässt. ... Ich bin eher demütig, bescheiden und ungesellig. Ich gehe nie auf Partys, wenn ich nicht muss. Ich scheue die Öffentlichkeit.“
Ahnen Sie, verehrte Damen und Herren, welchem außerordentlichen Vergnügen beizuwohnen Sie heute Abend die Ehre haben? Der Nihilist, Pessimist, Pianist und Cembalist kommt aus der Deckung. Er hatte einfach Lust auf Sie, und zwar Lust mit „lll“: Molllust heißt die Lust des Misanthropen.

Verplant
Noch vor wenigen Wochen, zu seinem 70. Geburtstag am 15. Juni, hatte Herbert Feuerstein vorsichtshalber „Ausladungen“ verschickt, damit auch wirklich niemand kommt. Und damit auch ja keiner anruft, hat er selber angerufen, zum Beispiel bei der "Süddeutschen Zeitung": „... Eigentlich geht es mir gerade prächtig. Ich habe in letzter Zeit sehr schöne Sachen gemacht. Ich konzentriere mich wieder aufs Schreiben, hatte Lesereisen mit 200 Lesungen, habe angefangen, Theater zu spielen, bin zur klassischen Musik und zu Mozart zurückgekehrt, und das geht ja alles weiter. Bis 2009 bin ich verplant.“ Süddeutsche: „Bis 2009?“ Feuerstein: „Ja, mit Vorkasse. Wegen meiner Lebenserwartung. Meine Witwe besteht darauf.“ Süddeutsche: „Was kommt als Nächstes?“ Feuerstein: „Der Tod.“ "Süddeutsche": „Um Gottes Willen!“ Feuerstein: „Warum nicht? Die Zeit dazwischen werden wir schon irgendwie füllen. Wenn ich etwas gar nicht mag, sind das Projekte. Die Medien wussten offenbar gar nicht, dass ich ein alter Sack bin. Sie haben sich von meinem Äußeren leiten lassen und mir diese ganzen Rollen gegeben.“

Verspielt
1998 gab Herbert Feuerstein sein Debüt als Theaterschauspieler in der Rolle des gequälten Regisseurs Leon in „Liebe, Lügen, Lampenfieber“ in Berlin, gefolgt von einer Deutschland-Tournee (1999) und Gastspielen in Hamburg (2000) und Dresden (2004) mit insgesamt 200 Vorstellungen. Auch als Amtsdiener Frosch in der „Fledermaus“ hüpfte Feuerstein über deutsche Bühnen.
Im Kino spielte Herbert Feuerstein große Nebenrollen in „Nicht mit Leo“, „Der Trip“, „Fake“, „Manila“ und „Der Schuh des Manitu“. Der Wadenbeißer Mr. Huph in „Die Unglaublichen“ sieht genau so aus wie Herbert Feuerstein, ihm lieh er deshalb seine Stimme.
Die Bücher „Feuersteins Reisen“, „Feuersteins Ersatzbuch“ und „Feuersteins Drittes“ künden von seiner Reisewut. Alte und neue Wahrheiten verrät der Sammelband „Frauen Fragen Feuerstein“. Und wie Mozarts Stimme klingt und was er wirklich komponiert hat, erfährt man aus Feuersteins Hörbuch über Mozart.

Verkannt
Schon in den 1940er Jahren, kurz nach seiner Geburt im Haus des Bahnhofsvorstehers von Zell am See im Salzburger Land, galt Herbert Feuerstein als Wunderkind: „Alle wunderten sich, wie kindisch er war. Daran hat sich bis heute nichts geändert“, steht auf seiner Internetseite. Zum gleichen Thema sagte er unlängst dem "Spiegel": „Ich bin kein Senior! Ich stecke irgendwo zwischen einem mentalen Alter von elf und längst tot. Und ich werde nie aufhören zu arbeiten, solange ich es körperlich kann. Auch weil ich nie in dem Sinn gearbeitet habe. Seit Jahrzehnten bin ich selbstständig. Da darf man nicht vermessen sein und das Arbeit nennen. Obwohl ich das Leben grundsätzlich negiere und als großes Unglück ansehe, konnte ich meist eigene Entscheidungen treffen.“

Verliebt
Diesmal hat Feuerstein sich entschieden, der Einladung nach Berlin zum Rundfunk-Sinfonieorchester zu folgen und endlich sein Herz offen zu legen. Obwohl „dreimal verheiratet (hintereinander)“ pflegt er seit 50 Jahren eine heimliche außereheliche Beziehung. Sie haben es geahnt: Herbert Feuerstein liebt – die Musik! Er hat sie sogar studiert. Am berühmten Mozarteum in Salzburg (Klavier, Cembalo, Komposition). Doch 1959 trennten sich ihre Wege, denn Feuerstein hatte erste literarische Spitzen öffentlich im „Linzer Volksblatt“ abgefeuert – gegen den rossinesken Komponisten und mozartforschenden Salzburger Hochschulpräsidenten Bernhard Paumgartner und gegen einige unglücklich kammermusizierende Kommilitonen. Dies brachte ihm Ohrfeigen ein (von den Kommilitonen), die Empfehlung, die Hochschule zu verlassen (vom Präsidenten) und war zugleich sein erfolgreicher Einstieg in den Journalismus.
Weil Feuerstein aber den Rausschmiss aus der Musikakademie nicht verkraften konnte, schlich er immer wieder um die Musik herum. Seit einigen Jahren nun macht er die Konzertsäle zwischen Bremen und Wien mit Klassik-Präsentationen unsicher, vor allem mit seinem Musikkrimi „MozartMordNacht“, der allein im Mozartjahr 2006 mit verschiedenen Orchestern 20 mal auf dem Programm stand. Feuerstein führte durch Fernsehkonzerte wie „Jugend musiziert“, „Meister von morgen“ und „Ach Wolferl“ (WDR und HR) und stieg (nicht singend) ins dramatische Fach ein: „Opern ohne Sänger“.

Tourneekonzert
So 22.08.2010 | 16.00 Uhr
Familienkonzert
So 28.11.2010 | 16.00 Uhr
Lieben oder Streiten?
Ein Romeo-und-Julia-Programm
für Kinder mit Musik von
Tschaikowsky, Berlioz, Bernstein u.a. » mehr